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Adipositas - ausführliche Informationen

 

Adipositas

Die Adipositas bzw. Fettsucht, Fettleibigkeit, Obesitas ist eine Bezeichnung für starkes Übergewicht durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit oft krankhaften Auswirkungen. Es werden drei Schweregrade unterschieden. Die Abgrenzung zwischen den verschiedenen Schweregraden erfolgt meist über den Körpermasseindex (BMI) mit einem BMI gleich bzw. größer als 30.

Definition sowie Abgrenzung der Adipositas


Adipositas ist gleichbedeutend mit starkem Übergewicht und zu viel Körperfett. Übergewicht wird u.a. mittels Körpermasseindex (BMI) gemessen und klassifiziert. Besonders nachteilig sind Fettdepots im Bauchraum und an den inneren Organen. Indikatoren für den Anteil von Körperfett und dessen Verteilung sind der Bauchumfang  sowie das Taille-Hüft-Verhältnis (siehe Figurtest auf www.aiqum.de)



BMI zur ersten Selbsteinschätzung


Kategorie (nach [1])    BMI (kg/m²)

Untergewicht    <18,5

Normalgewicht    18,5-24,9

Übergewicht    25-29,9

Adipositas Grad I    30-34,9

Adipositas Grad II    35-39,9

Adipositas Grad III    40


Anhand des Körpergewichts und auch des BMI können über das Risiko von Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankung nur bedingt Aussagen getroffen werden. Für das kardiovaskuläre Risiko ist weniger das Ausmaß des Übergewichts als vielmehr das Fettverteilungsmuster entscheidend. Besonders nachteilig wirken sich hier Fettdepots im Bauchraum (speziell dem Omentum majus) und an den inneren Organen aus. Dieses innere Bauchfett - Fachleute nennen es intraabdominales Fett, viszerales Fettgewebe ist sehr stoffwechselaktiv. Es beeinflusst den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel (Zuckerstoffwechsel), so dass Fettstoffwechselstörungen und Diabetes die Folge sein können.


Eine erste Selbstdiagnose ist einfach: Bauchumfang messen. Ein erhöhtes Risiko liegt für Frauen ab 88 cm vor, bei Männern beginnt der Risikobereich ab 102 cm.

Sportlich hochtrainierte Menschen haben viel Muskelgewebe von hoher Dichte und können damit einen hohen BMI erreichen, ohne zu viel Fettgewebe zu haben oder übergewichtig zu sein. Jedoch kommen sie damit nicht in den Bereich der Adipositas die relativ eindeutig als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen identifiziert wurde.

Der obige Grenzwert von 30 kg/m² gilt übrigens nicht für Asiaten - aufgrund von Risikobewertungen schlägt die WHO hier Grenzwerte des BMI von 23 kg/m² für Übergewicht, und 25 kg/m² für Adipositas vor.[2]


Ursachen für die Adipositas


Folgende Ursachen müssen unterschieden werden:


1.    genetische Faktoren

2.    zu viel und falsche Ernährung einerseits, zu wenig Bewegung (Energieverbrauch) andererseits

3.    gestörtes Essverhalten als Sucht


Übergewicht tritt gehäuft in industrialisierten Ländern auf, wo nur noch wenige Menschen harte körperliche Arbeit verrichten und Nahrung im Überfluss vorhanden ist. Die sogenannten Schwellenländer sind aber ebenfalls zunehmend betroffen. Zahlreiche Studien haben den Zusammenhang zwischen BMI und Nahrungsaufnahme untersucht. Das Ergebnis der VERA Studie[3] war überraschend - es gab keinen Zusammenhang zwischen den aufgenommenen Kalorien und dem beobachteten BMI. Es gab allerdings klare Hinweise darauf, dass die untersuchten Menschen meist zuviel Fett - insbesondere ungesunde gesättigte Fettsäuren - und zu wenig Vitamine und Mineralstoffe zu sich nahmen.

Genetische Faktoren für  Adipositas

Genetische Faktoren (Erbanlage) prägen den Grundumsatz, die Nahrungsverwertung und das Fettverteilungsmuster. Die Nahrungsverwertung war zu Zeiten der Jäger und Sammler ein wichtiges Überlebensmerkmal: wer den Überschuss in Fettzellen abspeichern konnte, konnte in Zeiten des Mangels davon zehren. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass Übergewicht eine starke genetische Komponente hat.

Sozio-kulturelle Faktoren für die Adipositas

Sozio-kulturelle Faktoren (Ernährungssoziologie) verführen sowohl zu Überernährung, als auch zu Unterernährung und zu Bewegungsmangel:

  • Sitzende Tätigkeit

  • Geringe Bewegung durch Auto, Fahrstuhl, Rolltreppe

  • Passive Freizeit (Fernsehen, Computerspiele,Rumhängen

  • Frust, Langeweile, Stress

  • Waren-Überangebot

  • Essen als Ersatz für emotionale und persönliche Zuwendung

  • Erziehung: der Teller wird leer gegessen, Iss was, dann wirst du was!

  • keine gemeinsamen Mahlzeiten, Fertignahrung statt frisch gekochter Mahlzeiten aus Grundnahrungsmitteln

  • Essen vor dem TV oder im Kino, Lesen beim Essen, Frühstücken im Auto auf dem Weg zur Arbeit, Drive-in-Schalter bei fast-food-Ketten + essen auf dem Parkplatz etc.

  • negative Vorbilder : übergewichtige Eltern haben oft übergewichtige Kinder

  • Fastfood: Portionengröße, Essgeschwindigkeit, zu hoher Fett-, Salz- und Zuckergehalt, dabei nicht ausreichend sättigend.

  • Geschmacksverstärker Glutamat (verhindert Sättigungsgefühl)

  • Farb- und Geruchsstoffe, die das Essen appetitlicher erscheinen lassen

  • Werbung für Süßes und Fettes

  • Geschmacksprägung durch Zuckerzusatz (Softdrinks, Baby-Nahrung, gesüßter Tee; selbst Würste (!) enthalten Zuckerstoffe)

  • Jojo-Effekt nach einer Diät (durch Rückfall in alte Essgewohnheiten)

  • Übergewicht als Schönheitsideal in manchen Kulturen

  • Informationsmangel, fehlende Aufklärung, Mangel an alternativen Produkten, z. B. Wurstwaren deren Fettgehalt reduziert ist und gleichzeitig das tierische Fett durch Pflanzenöl ausgetauscht ist.


Die zunehmende Verbreitung der Adipositas in westlichen Ländern korreliert auch mit der Verkürzung der Nachtruhe, der höheren durchschnittlichen Temperatur in Häusern, der Abnahme der Zahl gerauchter Zigaretten und der Zunahme des Gewichtes der Vorfahren. Menschen mit höherem Körpergewicht haben mehr Kinder und Adipositas wird auch durch genetische Faktoren hervorgerufen, mithin nimmt auch dadurch der Anteil adipöser Menschen an der Gesamtbevölkerung zu. Die Zunahme der Lebenserwartung spielt auch eine Rolle, denn unter 40- bis 79-jährigen ist der Anteil Adipöser etwa dreimal so hoch, wie unter jüngeren. Der zunehmende Gebrauch von Neuroleptika könnte auch eine Zunahme der Adipositasrate bewirkt haben. Es gibt Hinweise, dass die zunehmende Verbreitung von Pestiziden, Farbstoffen, Geschmacks- und Aromastoffen, Plastik oder Lösemitteln Adipositas begünstigt. Eine ältere Mutter ist ein Risikofaktor für das Kind übergewichtig zu werden und Mütter wurden die letzten Jahrzehnte immer älter. Adipöse heiraten eher Adipöse und die gezeugten Kinder haben deshalb ein erhöhtes genetisches Risiko selbst adipös zu werden[4].


Krankhafte Faktoren der Adipositas


Essstörung und Sucht sind immer dann anzunehmen, wenn oft und ohne Hungergefühl zwanghaft große Mengen von Nahrungsmitteln verzehrt werden. Zu den Ursachen von Essstörung und Sucht siehe dort.

Stoffwechselkrankheiten sind nur in etwa 2 % aller Fälle ursächlich für Übergewicht: Schilddrüsenunterfunktion, Störungen des Kortisonhaushaltes (Cushing-Syndrom). Einige Medikamente können eine Gewichtszunahme begünstigen: Hormone, Antidepressiva, Neuroleptika, Kortikosteroide. Vermutet wird auch ein Zusammenhang mit einer Infektion durch das Adenovirus des Typ HAdV-36.


Folgen unbehandelter Adipositas


Adipositas korreliert mit einer ganzen Reihe von ernsthaften Krankheiten. Dies kann bedeuteten,

  • dass diese Krankheiten Adipositas hervorrufen,

  • dass Adipositas mit anderen Faktoren (Kofaktoren) zu diesen Krankheiten führt oder

  • dass Adipositas und diese Krankheiten in wiss. Studien zugleich beobachtet werden (im Sinne einer nicht eindeutigen Wechselwirkung, Korrelation) oder

  • dass sie möglicherweise eine gemeinsame unbekannte Ursache haben.



Für die hier aufgeführten Folgen von Adipositas existiert oft nur eine Korrelation. Ob Adipositas wirklich die Ursache ist, ist also noch unklar. Um kein Risiko einzugehen, werden diese Krankheiten aber trotzdem den Folgen von Adipositas zugeordnet, obwohl dies oft nicht bewiesen ist, nicht eindeutig beweisbar oder eventuell sogar (aber auch noch nicht nachweisbar) falsch ist.


Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sind hohe Risikofaktoren für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Kommen noch zwei der Risikofaktoren Diabetes (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen (erhöhtes Cholesterin, bzw. LDL) oder Bluthochdruck hinzu, wird die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (kardiometabolischen Risikofaktoren) nochmals deutlich erhöht, ebenso das Risiko eines verfrühten Todes.

Adipositas ist mitverantwortlich für ein gehäuftes Auftreten vieler Zivilisationskrankheiten. Sie erhöht das Risiko für Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, Zuckerkrankheit), Reflux, Herzinfarkte, Arteriosklerose, Schlaganfälle, Brustkrebs, Arthritis und Arthrose, Gelenkschmerzen, Fußdeformitäten (Stempelfuß), Gallenblasenerkrankungen, Gicht und das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Die Gefährlichkeit einer Venenschwäche/Venenthrombose, ebenfalls durch Übergewicht bedingt, wurde lange Zeit verkannt. Beträgt der BMI im mittleren Lebensalter zwischen 25 und 29,9 ist das Mortalitätsrisiko bereits um 40 % erhöht.[5] Andere Studien kommen zum Ergebnis, dass Personen mit leichtem Übergewicht das geringste Mortalitätsrisiko haben. [6] Übergewicht mindert die Zeugungsfähigkeit. 9 kg Gewichtszunahme erhöht die Wahrscheinlichkeit von Unfruchtbarkeit um 10 %. [7]


Auch die seelischen Folgen der Adipositas sind gravierend. Die Betroffenen fühlen sich oft als Versager und Außenseiter. Oft treten psychische und sogar wirtschaftliche Schäden für die Betroffenen auf, weil Fettleibigkeit gesellschaftlich nicht toleriert wird und Betroffene oft beruflich ausgegrenzt werden.


Die durchaus auch finanziellen und sozialwirtschaftlichen Folgen von Übergewicht sind enorm. Ernsthafte Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat (Gelenkschäden, Muskelverspannungen, Knochendeformation, Schäden an Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln, Wirbelsäulenverkrümmung und Bandscheibenvorfall, sowie Knochenwachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen) führen zu unzähligen Sekundär-Therapien und schweren Operationen.


Neurobiologie


Warum schaffen es die meisten Menschen nicht dauerhaft abzunehmen, obwohl sie unter enormen gesellschaftlickem Druck stehen, Ärzte eindringlich dazu raten, und sie jede Menge Zeit, Energie und Geld aufwenden? Das alte Energiebilanz-Model, welches nur die Energieaufnahme und den Energieverbrauch sah, war nicht in der Lage dies zu erklären. Die meisten Menschen scheinen einen relativ stabilen Set-Point zu besitzen, auf den das Gewicht bei Abweichungen nach oben oder unten wieder zusteuert[8]. Bei der Gewichtsregulation scheint um einen Regelkreis zu handeln. Der Set-Point verändert sich im laufe eines Lebens meist leicht nach oben. Durch Fortschritte im Bereich der Molekularbiologie beginnt man heute zu verstehen, wie dieser Regelkreis funktionieren könnte[9].


Um ein Energiegleichgewicht zu erreichen hat der Gewichtsregelkreis unterschiedliche Informationsquellen:

  • Leptin ist ein Hormon das in den Fettzellen gebildet wird. Je mehr Fett sich in den Fettzellen befindet, desto höher ist auch die Leptinkonzentration. Primär informiert es das ZNS ob der Körper gerade verhungert. Es hemmt auch das Hungergefühl. Die meisten Dicken scheinen an einer Leptinresitenz zu leiden. Dafür gibt es heute zwei Erklärungen: Einen Defekt im Leptin Transport über die Blut-Hirn-Schranke und einen defekten Leptin Rezeptor.

  • Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es reguliert die Glukosekonzentration im Blut. Mäuse deren Neuronen keine Insulin-Rezeptoren besitzen leiden unter mildem Übergewicht.

  • PYY,GLP-1,Oxyntomodulin und CCK, werden im Darm produziert und verringern das Hungergefühl.

  • Ghrelin ist ein Peptid, das im Magen gebildet wird. Es wirkt Appetit anregend.



Alle diese Informationen werden im Zentralnervensystem verarbeitet und regulieren den Appetit, den Energieverbrauch, den Hormonspiegel und das Wachstum.

Behandlung der Adipositas


Je nach Ursache sind unterschiedliche Therapien angezeigt. Realistische Ziele sind eine leichte Gewichtabnahme oder eine Stabilisierung des Gewichts. [10] Langfristige Behandlungserfolge sind bis heute nicht nachgewiesen worden. Auch eine Kombination mit Ernährungs-, Verhaltens- sowie Bewegungstherapie ändert daran nichts. [11]


Gewichtsreduktion


Aus der Tatsache, dass sich mit dem BMI auch das Mortalitätsrisiko erhöht, kann aber nicht geschlossen werden, dass abnehmen das Mortalitätsrisiko verringert. Es ist einfach nicht klar, ob jemand der 10 kg abgenommen hat, dann genau so gesund ist, wie jemand der immer ein geringeres Gewicht hatte. Die Studien, die sich mit beabsichtigtem Gewichtsverlust und Sterblichkeit beschäftigten, lieferten keine eindeutigen Resultate. Einige kamen sogar zu dem Ergebnis, dass Abnehmen das Mortalitätsrisiko erhöht. Wenn es also keinen Beleg gibt, dass Abnehmen an sich die Gesundheit verbessert so gibt es doch Patienten die von einer Gewichtsreduktion profitieren. Bei Diabetes oder Bluthochdruck ist eine Gewichtsreduktion sinnvoll. [12] Es gibt Hinweise, dass nach einem Herzinfarkt eine Diät die Überlebensrate der Patienten verschlechtern kann[13]. Dass Abnehmen das Krebs-Risiko verringert, ist nicht belegt [14]

Abnehmen fällt jedoch häufig schwer: Sind die Fett-Reserven auf den Hüften und am Bauch erst einmal angelegt, baut der Körper sie nur schwer ab. Besonders bei starkem Übergewicht erweist sich die Behandlung als sehr schwierig. Insbesondere Rückschläge oder ausbleibender Erfolg veranlassen den Patienten (aber auch den Behandler und die Angehörigen) häufig dazu, das Vorhaben ganz aufzugeben. Zudem liegen oft Begleiterkrankungen vor, die den Leidensdruck des Patienten erschweren und parallel behandelt werden müssen. Sinnvoller ist daher die frühe Einübung eines gesunden Lebensstils, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Ernährung und Bewegung





Ernährungsumstellung


Ernährung und Bewegungsverhalten sind in hohem Maße eine Gewohnheitssache. Für Patienten ohne psychische Krankheitselemente kann eine einfache Information zur gesünderen Ernährung und Unterstützung bei der Ernährungsumstellung und zu mehr Bewegung durchaus Erfolg haben. Es ist allerdings wissenschaftlich nicht ganz gesichert, welche Ernährungsform am ehesten Abhilfe schafft. Meist wird zu mehr Ballaststoffen (s. a. Vollwertkost) und Fette vermeiden geraten, und Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an gesättigten Fetten sollen durch Nahrungsmittel mit mehr essentiellen Fettsäuren ersetzt werden, bzw. der Fettkonsum sollte insgesamt drastisch eingeschränkt werden. Steigerung der körperlichen Bewegung ist der zentrale Gegenspieler in der Energiebilanz. Insbesondere Ausdauersport wie Fahrradfahren, Schwimmen, Wandern und Joggen dienen - konsequent über Monate und Jahre durchgeführt - der Gewichtsreduktion.


Essstörung


Bei einer Essstörung ist meist eine mehrwöchige Therapie in einer Spezialklinik erforderlich (siehe: Psychosomatische Klinik), ergänzt durch regelmäßige langjährige Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe (z. B. Overeaters Anonymous).


Therapie


Wenn eine Verhaltensänderung bei Ernährung und Bewegung schwierig ist, dann wird klar, dass Adipositas nicht nur eine Zivilisationserscheinung ist, sondern dahinter ernsthafte und ursächliche psychosoziale Probleme stehen. Um diese zu bewältigen, ist eine speziell ausgerichtete Psychotherapie erforderlich. Ziel ist, die individuellen Ursachen für die Essstörung zu identifizieren und alternative Verhaltensweisen zu lernen. Bewährt hat sich auch die Therapie in einer Gruppe. Parallel arbeitet der Betroffene regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe mit Gleichgesinnten.

Ambulante oder stationäre Rehabilitation in einer Fachklinik für Essstörungen bzw. psychosomatischen Klinik ist ein ausgezeichneter Start auf dem Weg zur Veränderung von Verhalten und Lebensstil. Sie wird in der Regel von der Kranken- oder Rentenversicherung finanziert.


Diät


Angesichts der vielfachen Ursachen für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas gibt es keine einzelne Maßnahme, die allein die Entgleisung des Gewichts nachhaltig beendet. Vielen Anbietern von Diäten gelingt es immer wieder, Betroffene von ihrem besonderen Weg zu überzeugen, so dass es diesen gelingt, ihr Essverhalten für die Dauer der Diät ganz nach den Diätregeln auszurichten. Es kommt so oft zu sehr schnellen radikalen Gewichtsminderungen. Wenn die Diäten aber nicht zu einer über die Zeit der Diät hinaus verwirklichten grundlegenden Änderung des gesamten Ess- und Bewegungsverhaltens führen, setzen sich nach der Diät die alten Gewohnheiten wieder durch. Dadurch und durch den Jojo-Effekt kommt das Übergewicht unweigerlich wieder. Als Einstieg in eine neue Ess- und Lebensweise eignen sich aber alle Diäten, die zu besserer Auswahl der Nahrung, zu ihrer fachgerechten Zubereitung und kluger Einteilung der Nahrungsaufnahme am Tage führen. Eine wichtige Hilfe bei den Bemühungen um eine dauerhafte Kontrolle des Körpergewichts ist die regelmäßige ausreichende körperliche Bewegung. Hilfen wie die Hinführung zu anderen Geschmacksvorlieben als süß, fett und kalorienreich zu essen und eine Kontrolle des Hungergefühls durch medikamentöse Weckung des Esshormons Serotonin können nur ergänzende Hilfen sein. Ohne die umfassende Änderung des Ess- und Bewegungsverhaltens bewirken sie nichts.

Pharmakologische Intervention

Wenn die Umstellung des Ess- und Bewegungsverhaltens schwierig ist, muss die Ursache dafür gefunden und behoben werden. In besonders schwierigen Fällen kann eine dauerhafte Befreiung von den Zwängen des Hungers eine wertvolle Hilfe sein. Pharmakologische Therapie soll aber ausschließlich vom Arzt durchgeführt werden. In den USA wird vielfach das dort frei verkäufliche 5-Hydroxy-Tryptophan (5-HTP) außer für die Verbesserung des Wach- und Schlafverhaltens auch als Gegenspieler von Serotonin für die Reduzierung des Körpergewichts auf Dauer eingenommen. Hinreichende Studien hierüber gibt es noch nicht, es wird aber nur über geringfügige Nebenwirkungen berichtet. Die dauernde Einnahme des Vorhormons 5-HTP bedarf aber der ärztlichen Kontrolle, zumal es nicht nur im Liquor des Gehirns ankommt, sondern im ganzen Körper. Bei der Hungerkontrolle durch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie auch bei dem einzigen in Deutschland noch zugelassenen fälschlicherweise Appetitzügler genannten Medikament Sibutramin (Handelsname: Reductil®) hat es erhebliche körperliche Nebenwirkungen gegeben. Langfristeinsatz von 5-HTP ist deshalb kritisch zu beobachten. Seit neuestem ist der Wirkstoff Rimonabant zugelassen, jedoch auch hier werden ohne Ernährungsumstellung und mehr Bewegung kaum Resultate erzielt.


Wirkstoff    Mittlerer Gewichtsverlust gegenüber Placebo

Sibutramin[15]    2,8&#8211;4,4 kg

Orlistat[16]    2,8 kg

Rimonabant[17]    4,5 kg

Chirurgische Intervention

Wenn alle konservativen Behandlungsmethoden versagen, kommt die Adipositaschirurgie zum Einsatz.


Verbreitung der Adipositas


Wie die epidemiologischen Daten zeigen, nimmt die Adipositas in allen Ländern zu, in denen ein ausreichendes Nahrungsangebot zumindest für Teile der Bevölkerung vorhanden ist. Mögliche genetische Ursachen werden mit dem Argument verneint, dass sich der Genpool der Bevölkerung in den vergangenen ein bis zwei Jahrzehnten nicht signifikant geändert habe. Dies wird von anderer Seite mit dem Hinweis auf einen über Jahrmillionen wirksamen Selektionsdruck in Frage gestellt: der Selektionsdruck machte den Menschen zum Meister im Energiesparen. Schon vor Jahrtausenden wurde er dort sesshaft, wo eine günstige Umgebung Ackerbau und bequemere Ernährung zuließ. Im Wesentlichen geschieht heute nichts anderes. Die Sesshaftigkeit beziehe sich auf die eigenen vier Wände, zu denen auch das Auto gezählt werden kann. So sei es kein Wunder, dass kaum eine der zahlreichen angebotenen Diäten nachhaltig wirke und dass kaum ein Programm zur Reduktion des Übergewichts bislang nachhaltig erfolgreich war.

Die Adipositas als komplexes Krankheitsbild betrifft alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen (jedoch nicht im jeweils gleichen Maße) und beschränkt sich keineswegs auf die Industrieländer. Waren im Jahre 1995 weltweit noch 200 Millionen Erwachsene adipös, so waren es im Jahre 2000 schon 300 Millionen, davon 115 Millionen in Entwicklungsländern. Waren in Österreich 1991 noch 8,5 % der Erwachsenen adipös, so waren es im Jahre 2000 schon 11 %. Europaweit sind 10-20 % der Männer und 15-25 % der Frauen adipös. Dabei wird ein Anstieg der Adipositasprävalenz Richtung Süden und Osten beobachtet. Dies gilt auch für Österreich, mit dem höchsten Anteil an Übergewichtigen im Osten des Landes und dem niedrigsten Anteil in Tirol und Vorarlberg.

In Deutschland wird seit Jahrzehnten ein Anstieg der Prävalenz beobachtet. So wies im Jahre 1999 nur noch die Hälfte bis ein Drittel der Bevölkerung einen medizinisch gewünschten BMI bis 24,9 auf. Gemäß Mikrozensus-Zusatzerhebung aus dem Jahre 2003 waren 12,3 % der Männer und 11,3 % der Frauen ab 18 Jahren adipös (d. h. BMI 30 oder höher). [18]

Weltweit leben lt. WHO über 300 Millionen Menschen mit Adipositas. Nachdem das Problem jahrzehntelang auf die wohlhabenden Industrieländer beschränkt war, beobachtet man in jüngster Zeit einen Anstieg der ernährungsbedingten Krankheiten auch in Schwellenländern wie Indien oder China.

In den USA haben nach Schätzungen des CDC 30 % der Einwohner einen BMI von über 30 kg/m² und gelten damit als adipös. In den USA zeigt sich, daß sozial Schwächere (Ungebildetere, Ärmere) sowie benachteiligte Minderheiten (Indianer, Schwarze) sehr viel stärker von Übergewicht betroffen sind als andere, privilegiertere Bevölkerungsgruppen, und auch eine niedrigere Lebenserwartung besitzen. [19]


Literaturverweise

1.    Obesity: preventing and managing the global epidemic. Report of a WHO Consultation.. In: WHO (Hrsg.): WHO Technical Report Series. 894, 2000

2.    Steering Committee of the Western Pacific Region of the World Health Organization, The International Association for the Study of Obesity and the International Obesity Task Force (2000): The Asia-Pacific Perspective: Redefining Obesity and Its Treatment. Melbourne: Health Communications Australia Pty Ltd; 2000:8-56.

3.      VERA-Schriftenreihe: Lebensmittel- und Nährstoffaufnahme in der BRD (1985-1989), Band XII, Wissenschaftlicher

Fachverlag, Niederkleen, 1994.

4.    New Scientist, zitiert nach: Alison Motluk, Supersize surprise, 4. November 2006, S. 34ff

5.    Schon leichtes Übergewicht beeinträchtigt die Lebenserwartung, MMW-Fortschr. Med. Nr. 51-52 / 2006 (148. Jg.), S. 28

6.    Flegal, KM et al (2005) Excess deaths associated with underweight, overweight, and obesity, Jama 293:293-294

7.    Quelle: National Institute of Environmental Health Sciences

8.    &amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;#8593; Kassirer JP, Angell M. Losing weight-an ill-fated new  resolution. N Engl J Med 1998; 338:52-54. Kopie unter http://generous.net/health/nejm.shtml

9.    Obesity Wars - Molecular Progress Confronts an Expanding Epidemic; Jeffrey S. Flier M.D.

10.    http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/12/08/222a1201.asp?cat=/medizin/adipositas

11.    Wabitsch, Hebebrand, Kiess, Zwiauer: Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Grundlagen und Klinik. Springer, 2004

12.    Kassirer JP, Angell M. Losing weight-an ill-fated new year&amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;amp;#039;s resolution. N Engl J Med 1998; 338:52-54. Kopie unter http://generous.net/health/nejm.shtml

13.    http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-66413.html

14.    http://www.cancer.gov/cancertopics/factsheet/Risk/obesity

15.    Padwal R, Li SK, Lau DCW. Long-term pharmacotherapy for obesity and overweight. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 4. Art. No. CD004094.pub2. DOI: 10.102/14651858.CD004094.pub.2

16.    Padwal R, Li SK, Lau DCW. Long-term pharmacotherapy for obesity and overweight. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2003, Issue 4. Art. No. CD004094.pub2. DOI: 10.102/14651858.CD004094.pub.2

17.    http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/06/13/107a1201.asp?cat=/medizin/adipositas

18.    Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2005. S. 240

19.    CL Odgen, MD Carroll, LR Curtin, MA McDowell, CJ Tabak, KM Flegal: Prevalence of overweight and obesity in the United States, 1999&#8211;2004. In: JAMA. 295, Nr. 13, April 2006, S. 1549&#8211;1555



Weblinks:




Organisationen und Hintergrundinformationen:

  • Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG)

  • Adipositas-Verband-Deutschland e.V. Netzwerk für Betroffene, Selbsthilfegruppen und Ärzte

  • Therapie bei Adipositas

  • Darstellung der Therapie bei Adipositas

  • Adipositas-Online.com

  • Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften



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22.02.2019, 10:10:47