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vegetarische Ernährung - ausführliche Informationen

 

vegetarische Ernährung

vegetarische Ernährung bezeichnet eine Ernährungsweise, die den Verzehr von Tieren tunlichst vermeidet.

Der Begriff „Vegetarismus“ leitet sich von engl. „vegetarianism“ (vegetable = pflanzlich, Gemüse) ab. Dies wiederum stammt vom lateinischen „vegetus“, was „ganz gesund, frisch und lebendig“ bedeutet.

Über den Verzehr von Nahrungsmitteln, die von Tieren produziert werden, wie Eier, Milch, Milchprodukte oder Honig, gehen die Ansichten der Vegetarier auseinander. Die völlige Ablehnung tierischer Produkte – auch über die Nahrung hinaus – wird als Veganismus bezeichnet. Zwischen Veganismus und Vegetarismus besteht ein fließender Übergang, meist abhängig von den jeweiligen Beweggründen für die Entscheidung zur vegetarischen Ernährung. Unter gesundheitlichen Aspekten ist sie allerdings umstritten.


Begriff

Der Begriff „Vegetarian“ wurde 1847 geprägt, anlässlich der Gründung der englischen „Vegetarian Society“, der weltweit ersten modernen Vegetariergesellschaft. Er stammt wahrscheinlich von Joseph Brotherton, einem Unterhausabgeordneten und prominenten Mitglied dieser Gesellschaft. Bis dahin sprach man von „pythagoreischer Lebensweise“, da die Pythagoreer, die Anhänger des antiken griechischen Philosophen Pythagoras, Vegetarier waren, oder auch von „indischer Diät“.

Im normalen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff Vegetarismus einen vollständigen und dauerhaften Verzicht auf alle Arten von Fleisch- und Fischnahrung. Daher gehören Personen, die auf diese Nahrungsmittel nur teilweise oder nur zeitweilig verzichten, nicht zu den Vegetariern.


Arten der vegetarschen Ernährung

Gemeinsam ist allen Vegetariern der Verzicht auf Fleisch, Fisch und Geflügel (siehe Vegetarische Küche). Meist werden auch Nebenprodukte der Schlachtung wie Schmalz oder Gelatine gemieden. Nur ein Teil der Vegetarier verzichtet auch auf Leder, Haar- und Federprodukte.

Allgemein werden mehrere Unterarten vegetarischer Ernährung unterschieden:

  • Ovo-Lacto-Vegetarier essen Eier und Milchprodukte. Sie sind in Europa die am weitesten verbreitete Unterart der Vegetarier.

  • Lacto-Vegetarier essen keine Eier, jedoch Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Quark. Sie sind besonders unter den indischen Vegetariern stark vertreten.

  • Ovo-Vegetarier essen keine Milchprodukte, jedoch Eier.

  • Veganer nutzen generell keine tierischen Produkte (zum Beispiel Leder, Pelze, Wolle, Seide, mit Daunen und Federn gefüllte Bettwäsche) und auch keine Kosmetika und Medikamente, die an Tieren getestet wurden.

  • Frutarier ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten, die die Natur ihrer Ansicht nach „freiwillig“ zum Verzehr hergibt (z.B. Fallobst).


Pescetarier (auch Pesci-Vegetarier oder Ovo-Lacto-Pisci-Vegetarier) essen kein Fleisch (von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien), jedoch Fisch und zuweilen auch tierische Lebensmittel von Wirbellosen (Muscheln, Schnecken, Krabben, etc.). Da Fische Tiere sind, kann der Pescetarismus nicht als Unterart des Vegetarismus im eigentlichen Sinn bezeichnet werden.

Es ist des Weiteren anzumerken, dass ein Teil der großindustiellen und viele kleinindustielle Käsesorten nicht vegetarisch sind. Die Problematik hierbei liegt nicht in der verwendeten Milch, sondern vielmehr im zur Käseherstellung benötigten Lab. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um ein Produkt des toten Tieres. Da dies jedoch eine weitestgehend auch unter Vegetariern unbekannte Tatsache ist, ist eine wirkliche Abgrenzung der einzelnen Arten von Vegetariern sehr schwierig. Eine weitere Problematik ist die Herstellung von klaren Säften (Weine, Fruchtsäfte, Essig), die Gelatine oder Fischblase zur Klärung nutzen, dieses aber im Nachhinein wieder herausfiltrieren. Somit sind viele Säfte zwar als Endprodukt nahezu vegetarisch, aber nicht in ihrer Produktion und damit mit den eigentlichen ethischen Grundsätzen nicht vereinbar.


Motivation

Die Gründe für vegetarische Ernährung sind sehr unterschiedlich. Die meisten Vegetarier machen ethische Gründe geltend (vgl. Tierrechte), bei anderen sind die Motive gesundheitlich (vgl. Naturkost), global-ökonomisch, global-ökologisch, religiös oder philosophisch (Annahme einer Gleichwertigkeit verschiedener Lebensformen). Wieder andere erklären schlicht, dass ihnen Fleisch nicht schmecke, oder sie es unästhetisch fänden. In asiatischen Kulturen stehen traditionell religiöse Gründe im Vordergrund (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus), in westlichen wird hauptsächlich ethisch und ökologisch argumentiert.


Ethische Motivation

Als ethische Begründung geben Vegetarier an, dass sie Tiere vor Leid bewahren wollen, oder dass sie nicht möchten, dass ihretwegen Tiere getötet werden. Dabei argumentieren sie, dass manche Tierarten, darunter verbreitete Schlachttierarten, eine starke Schmerzempfindung aufweisen. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch auf die biologische Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier verwiesen und darauf, dass nach heutigem Erkenntnisstand manche Arten mit nicht unerheblicher Intelligenz ausgestattet sind. Mit dem Leid, das vermieden werden soll, ist eine nicht artgerechte Tierhaltung – vor allem die Massentierhaltung – gemeint, aber auch die Vorgänge im Schlachthof. Auch gilt als Grund für viele, dass Tiere respektlos behandelt werden, und ebenso getötet. Sie sind der Überzeugung, dass ein Tier ja ebenso lebt wie der Mensch, und wenn es auch nicht gleichwertig ist, man es dennoch nicht von Anfang an schon wie einen toten Gegenstand ansehen sollte.


Religiöse Argumente im Christentum

Unter den Christen bestehen unterschiedliche Ansichten über die biblischen Aussagen zur Ernährung. Aus kreationistischer Sicht lässt sich ein Fleischverzehr erst nach der Sintflut eindeutig nachweisen. Es könnte angeführt werden, das es wegen der Sintflut kein Getreide/Gemüse mehr gab und deshalb die Menschen zur Fleischnahrung übergehen mussten. Dennoch ist diese Argumentation nicht stichhaltig, da schon Abel ein Schäfer war, und es doch eher unwahrscheinlich ist, dass diese Schafe ausschließlich für Wolle und Milch gezüchtet wurden, und die Annahme eines Tieropfers trotz des vermeintlichen Vegetarismus theologisch und exegetisch nur schwer zu halten ist.

Jedenfalls wurde seit der Sintflut der Fleischverzehr ausdrücklich akzeptiert.[1] Das Schlachten und Zubereiten von Tieren wird fest in die Geschichtsschreibung (z.B. Festmahl) und in den Kultus (z.B. Opferlamm) mit aufgenommen. In Matthäus 15,11 nimmt Jesus allgemein zu den Speisevorschriften der mosaischen Reinheitsgebote Stellung: „Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“ Diese Stelle bezieht sich zwar nicht auf die konkrete Art und Weise der Ernährung, sondern vielmehr um für die Christen aufgehobene Reinheitsgebote des Alten Testamentes, ist aber ein gängiges Argument jener Christen, die den Vegetarismus ablehnen. Manche christliche Vegetarier hingegen nehmen an, dass Jesus – wie Buddha – das Töten von Tieren zwar ablehnte, aber als Gast Fleischgerichte gegessen hat, um die Gastgeber nicht zu kränken. Paulus hatte offenbar keine Vorbehalte gegen Fleischverzehr, kannte aber offenbar das Problem aus der Gemeinde und empfahl dazu Röm 14,21: „Es ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun, wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt.“ Plausibler als eine Diskussion über die ethische Zulässigkeit des Tötens von Tieren zum Zwecke des Verzehrs erscheint aber die allgemein verbreitete Ansicht (zumindest in den Großkirchen), entsprechende Passagen im Neuen Testament dienten dazu, das Problem des Opferfleisches zu regeln. In den frühen Gemeinden gab es die Diskussion, ob das Opferfleisch aus den Tempeln von Christen verzehrt werden dürfte, oder ob dies einem Anerkennen der dort verehrten Götter gleichkäme. Die entsprechenden Stellen in diesem Kontext zu interpretieren erscheint oftmals schlüssiger. Auch dürfte die Abgrenzung gegen andere Kulte mit Mahlriten eine Rolle gespielt haben. Wenn also ein Gemeindemitglied am Opferfleischverzehr der anderen Anstoß nimmt, sollte darauf verzichtet werden, um den Glauben desjenigen nicht zu gefährden, indem man vermeintlich andere Götter anerkennt.

In den Büchern von Jakob Lorber („Die Haushaltung Gottes“) wird übereinstimmend mit der Bibel berichtet, dass die „Urkirche“, angefangen von Adam bis Noah, sich von Milch und Früchten ernährte und kein Fleisch gegessen wurde. Überreste dieser Urkirche seien bis heute in Indien anzutreffen (Hauptwohnsitz der Urväter sei das Himalayagebirge gewesen), weswegen sich dort der Vegetarismus und der Tierschutz im Hinduismus und Buddhismus bis heute erhalten haben. Nach Lorber und auch anderen christlichen Mystikern wie Anna Katharina Emmerick und Maria von Agreda waren die ersten Fleischesser unter den Nachkommen von Kain, die in der Sintflut umgekommen sind. Später sollen namentlich nicht genannte Nachkommen von Noah mit dem Fleischessen begonnen haben, worauf dann die Schlachtopfer und Reinheitsgebote eingeführt wurden, um so das Fleischessen möglichst einzuschränken. Die gröbste Form des Fleischessens ist der Kannibalismus, der aber bis heute von keiner Weltreligion geduldet wird.




Gesundheitliche Motivation

Studien ergaben für die vegetarische Ernährung eine niedrigere Energiedichte, insbesondere einen geringeren Fettanteil und mehr Ballaststoffe als bei Mischkost, was als gesundheitlich vorteilhaft eingeschätzt wird. Der oft höhere pflanzliche Nahrungsanteil erleichtert es Vegetariern offenbar, die empfohlene Menge an Gemüse und Obst aufzunehmen. Vegetarier nehmen auch weniger Schadstoffe auf; so wies zum Beispiel in vielen Studien die Muttermilch von Veganerinnen und Vegetarierinnen deutlich geringere Belastungen auf als die der übliche Mischkost essenden Vergleichsgruppe, da sich in Tieren einige Schadstoffe in größeren Mengen als in Pflanzen ansammeln. Dazu gehören z. B. Schwermetalle und Biozide wie DDT. Bei Tier-Krankheiten wie im Falle von BSE oder H5N1 können Erreger auf den Menschen überspringen.

Ein häufiger Grund für den Wechsel zum Vegetarismus sind gesundheitliche Beschwerden, vor allem im Herz-Kreislauf-System, oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis. In diesen Fällen kann ein Wechsel zum Vegetarismus symptomlindernde Auswirkungen haben.


Global-ökonomische und global-ökologische Begründung


Bruten

Vor allem in den siebziger und achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, aber auch bis heute wurden und werden Kleinbauern in Entwicklungsländern gedrängt, Futtermittel für die Massentierhaltung der Industrieländer anzubauen, statt durch eine Diversifizierung eine ausgewogene Selbstversorgung sicherzustellen. Kritiker sehen darin einen negativen Strukturwandel und streben an, im Rahmen der Dritte-Welt-Bewegung durch Verzicht auf Fleischkonsum diesem entgegenzuwirken. Ökonomen hingegen verweisen auf die Vorteile der Arbeitsteilung, die durch höhere Renditen es den Bauern in der sog. Dritten Welt erlaubt, eine weitaus diversifiziertere Ernährung zu kaufen, als sie selbst produzieren könnten.

Das durch den tierischen Stoffwechsel ausgeschiedene Methangas wird als ein wesentlicher Faktor für den derzeitigen weltweiten Klimawandel angesehen. Zudem belasten die im Tierkot (Jauche oder Gülle) enthaltenen Nitrate das Grundwasser. Die Herstellung der enormen benötigten Futtermengen führt zu großflächigen Waldrodungen, insbesondere in den Ländern der Dritten Welt.

Außerdem argumentieren Experten, dass nur eine Erhöhung des pflanzlichen Nahrungsanteils den wegen der Zunahme der Weltbevölkerung rasch wachsenden Bedarf an Proteinen und Kalorien decken kann[2]. Sie meinen, der Umweg über das Tier sei hierbei verschwenderisch, da zur Bildung von einem Kilogramm tierischen Proteins etwa fünf bis zehn Kilogramm Pflanzeneiweiß benötigt werden. Mit der als Tiernahrung angebauten Pflanzenmenge könnten somit sehr viel mehr Menschen ernährt werden. In den wohlhabenden Ländern wird ungefähr die Hälfte des Getreides an das Vieh verfüttert.

Ein weiterer Grund für den Verzicht auf Fleisch aus Massentierhaltung sind die dort eingesetzten Medikamente, insbesondere Antibiotika. Es wird befürchtet, dass der großflächige Einsatz von Antibiotika Resistenzen in gefährlichen Erregern bewirkt.


Gesundheitliche Aspekte vegetarischer Ernährung

Um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts waren Vegetarier aus der Sicht der damaligen Schulmedizin von Mangelerscheinungen, Krankheit und vorzeitigem Tod bedroht. Fleisch galt als unersetzbarer Bestandteil einer lebenserhaltenden Ernährung, und die vegetarische Ernährung war noch relativ unerforscht.

Seit in vielen Studien Vegetariern ein besserer Gesundheitsstatus als dem Bevölkerungsdurchschnitt bescheinigt wurde, gilt die vegetarische Ernährung als bedarfsdeckend und bei guter Planung als gesund. Manche Wissenschaftler sprechen ihr einen gesundheitsfördernden Einfluss zu. Einige Studien ergaben, dass Vegetarier in westlichen Industriegesellschaften auch bei anderen Belangen der Lebensführung vermehrt auf die Gesundheit achten, zum Beispiel im Durchschnitt beachtlich seltener rauchen, weniger Alkohol trinken und häufiger Sport treiben als Nichtvegetarier. Daher bieten diese Studien keine ausreichende Grundlage für den Schluss, die vegetarische Ernährung sei generell eine gesündere Ernährungsform als ausgewogene Mischkost.


mögliche Mangelerscheinungen

Kritiker des Vegetarismus weisen auf Gesundheitsgefahren hin, die sich bei einer Unterversorgung mit einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen ergeben könnten. Nach ihrer Ansicht sind diese Gefahren um so größer, je umfangreicher auf tierische Produkte verzichtet wird. So könne der Mensch Eiweiße aus Fleisch leichter verarbeiten. Besonders Leistungssportler seien auf Fleisch angewiesen, da sich Muskeln sonst langsamer und in schwächerer Form entwickeln würden. Forscher verweisen in diesem Zusammenhang auch auf Versuche mit anderen Omnivoren, wonach einzelne Individuen, die kein tierisches Eiweiß erhielten, wesentlich kleiner und schwächer blieben als solche, die zusätzlich noch beispielsweise Insekten zur Verfügung gestellt bekamen.

Besonders hervorgehoben wird die Problematik der Ausreichenden Versorgung mit dem Vitamin B12, dessen Mangel das Zellwachstum hemmt und Anämie hervorrufen kann. In Pflanzen kommen nur für den Menschen nicht verwertbare B12-Analoga vor. Das B12-Problem betrifft daher vor allem die Veganer, aber auch Vegetarier, die sehr wenig Tierprodukte essen.

Vegetarier argumentieren hingegen, dass eventuell auftretende Mangelerscheinungen nicht auf den Vegetarismus zurückzuführen seien, sondern auf unausgewogene Ernährung, und dass dies für nichtvegetarische Einseitigkeit ebenso gelte. Sie meinen, dass im Normalfall bei einer abwechslungsreichen vegetarischen Ernährung keine Mangelerscheinungen zu befürchten seien. Besondere individuelle Mangelprobleme können ebenso wie bei Nichtvegetariern durch Nahrungsergänzungsmittel behoben werden. Entgegen langjähriger Ansicht der Medizin gilt heute als gesichert, dass jeder gesunde Mensch ohne weiteres auf Fleisch verzichten kann. B12 ist außer in Fleisch auch in Milchprodukten und Eiern enthalten und wird jahrelang in der Leber gespeichert, muss also nicht ständig zugeführt werden. Nötigenfalls kann der Bedarf an Vitamin B12 mit Tabletten gedeckt werden, aber auch viele Multivitaminsäfte enthalten Vitamin B12.


Aminosäurenmuster und biologische Verfügbarkeit von Eiweiß

Zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts waren Ernährungswissenschaftler der Ansicht, pflanzliches Protein (Eiweiß) sei grundsätzlich von geringerer Qualität als tierisches und für die Bedarfsdeckung unzureichend.

Jahrzehnte später entdeckten sie mehr Zusammenhänge der Aminosäurenmuster von Proteinen, damals wurde bei Rattenversuchen festgestellt, dass diese bei tierischem insbesondere Ei-Protein, im Futter, schneller wuchsen als bei pflanzlichen. Diese Ergebnisse wurden auf den Menschen übertragen. Ei-Protein bekam die höchste biologische Verfügbarkeit zugeschrieben, und tierische Proteine mit ihrem hohen Anteil essentieller Aminosäuren galten immer noch als unverzichtbar, Vegetariern empfahl man damals tierische Proteine mit pflanzlichen, oder zumindest pflanzliche mit anderen pflanzlichen zu kombinieren, um das Angebot verfügbarer essentieller Aminosäuren zu erhöhen und den angeblichen Mangel an hochverfügbaren Fleisch-Protein auszugleichen.

Nachdem dieser Test jahrzehntelang angewendet wurde, schaffte die WHO ihn 1991 offiziell ab. Die American Dietetic Association bestätigt in einer Stellungnahme von 1993 [3], dass eine Kombination von verschiedenen Eiweißen für Vegetarier und Veganer nicht notwendig ist. Wird der Speiseplan abwechslungsreich gestaltet, erhält der Körper alle nötigen Aminosäuren in mehr als ausreichenden Mengen, da die aufgenommenen Aminosäuren sich mit den im Körper schon abgespalteten ergänzen können.

So haben in einer 59tägigen Untersuchung 6 Testpersonen, die Protein praktisch ausschließlich von Reis bekamen, den 1,5 bis 4,5fachen Wert der von der WHO empfohlenen Zufuhrmenge aller essentiellen Aminosäuren bekommen[4].

Obwohl der Ratschlag zur Kombination seit Jahren völlig überholt ist, hält sich diese Ansicht hartnäckig in der Bevölkerung und ist noch in vielen Kochbüchern der späten neunziger Jahre zu finden. Verschiedene Vegetarierorganisationen sprechen daher vom „Eiweißmythos“.


Vegetarische Ernährung von Haustieren

Einige Vegetarier und Veganer ernähren auch ihre Hunde und Katzen rein pflanzlich. Hunde sind im biologischen Sinn Allesfresser und können dauerhaft von pflanzlicher Nahrung leben. Wenn nicht auf fertige Tiernahrung zurückgegriffen wird, erfordert dies jedoch in jedem Fall eine gute Planung und viel Sachverstand.

Katzen gehören jedoch zu den Fleischfressern. Die vegetarische oder auch vegane Ernährung von Katzen ist dennoch möglich, jedoch muss die Nahrung mit einer Reihe von teilweise künstlichen Nahrungsergänzungsstoffen angereichert sein, um ein Defizit auszugleichen, ansonsten drohen schwere gesundheitliche Schäden. Hierfür stehen neben Fertigfutter auch komplette, einfach anzuwendende Supplementmischungen zur eigenen Nahrungszubereitung zur Verfügung. Bei diesen Supplementen handelt es sich um die gleichen Stoffe, die meist auch fleischhaltigem Fertigkatzenfutter zugesetzt werden, zum Beispiel Taurin.


Kontroversen um vegetarische Ernährung


„Natürlichkeit“ der vegetarischen Ernährung

Vielfach wird argumentiert, die vegetarische Ernährung entspreche nicht der natürlichen Veranlagung des Menschen, da er biologisch gesehen ein Omnivor (Allesfresser) sei. Sein Körper sei für gemischte Kost eingerichtet, wenn auch mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost.

Als Beleg dafür, dass der Mensch und seine Vorfahren im Verlauf ihrer Evolution über sehr lange Zeit (Jahrmillionen) regelmässig Fleisch konsumiert haben, kann die Existenz des Rinderfinnenbandwurmes und des Schweinefinnenbandwurmes herangezogen werden. Diese zwei Parasiten haben sich evolutionär auf den (fleischfressenden) Menschen als Endwirt spezialisiert: Sie sind auf den Menschen als einzigen Endwirt zur Fortpflanzung angewiesen und können diesen nur durch den Konsum von Fleisch befallen. Wären zu irgend einem Zeitpunkt seit Existenz dieser Parasiten alle Menschen strikte Vegetarier gewesen, hätten diese Parasiten nicht überleben können.

In der Diskussion der 'Natürlichkeit' vegetarischer Ernährung wird oft ein Vergleich der körperlichen Funktionen und Gegebenheiten der typischen Vertreter von Pflanzen fressenden und Fleisch fressenden mit denen des Menschen herangezogen. Wie folgende Tabelle zeigt, scheint der Mensch bezüglich seiner Anatomie und Physiologie (Gebiss, Länge des Darms) reinen Pflanzenfressern in den meisten Punkten näher zu stehen als reinen Fleischfressern, wohingegen er andere eher mit Fleischfressern als mit Pflanzenfressern gemein hat (keine Zelluloseverdauung, rudimentärer Blinddarm).


ethische Aspekte

In der Ethikdebatte argumentieren die Kritiker des Vegetarismus, es sei dem Menschen grundsätzlich nicht möglich, die Verursachung von Leid und Tod in der Tierwelt völlig zu vermeiden. Daher sei jede Festlegung einer Grenze des ethisch Vertretbaren subjektiv und willkürlich. Somit sei der ethisch begründete Vegetarismus nicht konsequent. Dem Argument, dass ethische Grenzen nur sehr schwer zu ziehen seien, halten Vegetarier entgegen, dass zwar nicht jede Verursachung von Leid und Tod vermieden werden könne, wohl aber das Vermeidbare zu vermeiden sei.


Historischer Überblick

Der Vegetarismus entwickelte sich in religiös-philosophischen Traditionen Indiens und unabhängig davon, aber aus ähnlichen Motiven im östlichen Mittelmeerraum. Weltweite Verbreitung hat er erst in der Moderne gefunden.


Nichtchristliche Antike

Schon Homer (Odyssee 9, 82–104) und Herodot (4, 177) erwähnen ein Naturvolk, die Lotophagen, das sich nur von Früchten ernährte; Diodor (3, 23–24) erzählt von vegetarischen Völkern in Äthiopien, den Rhizophagen (Wurzelessern), Spermatophagen (Samenessern) und Hylophagen (Baumsprossenessern), und schreibt den Rhizophagen eine generell friedliche Lebensweise zu. Alle derartigen Berichte, von denen es in der Antike noch weitere gab, sind sagenhaft. Weltweit konnte bisher bei keinem Naturvolk bzw. indigenen Volk Vegetarismus als kollektive prinzipielle Haltung nachgewiesen werden. Bemerkenswert ist allerdings das frühe Auftauchen solcher Vorstellungen über Naturvölker in der antiken griechischen Kultur.

Dort, wo Vegetarismus – im antiken griechischen Kulturkreis und in Indien – erstmals historisch glaubhaft überliefert ist, erscheint er von Anfang an als Frucht philosophisch-religiöser Reflexion und als Anliegen von Minderheiten. In Europa ist der Vegetarismus erstmals im 6. Jahrhundert v. Chr. bezeugt, und zwar in der religiösen Bewegung der Orphiker, die aus Thrakien stammte und sich damals in Griechenland verbreitete, sowie bei Pythagoras und im engeren Kreis der Pythagoreer. In beiden Traditionen enthielt man sich auch der Eier sowie der damals allgemein üblichen rituellen Tieropfer. Bei den Pythagoreern – zumindest ihrer Elite – war die Tötung von Tieren generell verpönt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. trat Empedokles als radikaler Vertreter des Vegetarismus und einer allgemeinen Verschonung der Tiere hervor.

In der Platonischen Akademie traten die Scholarchen Xenokrates und (wahrscheinlich) Polemon für den Vegetarismus ein, unter den Peripatetikern Theophrastos, der Nachfolger des Aristoteles. Theophrast verwarf auch die Tieropfer und billigte nur die Tötung schädlicher Tiere. Die Stoiker hingegen waren fast alle entschieden antivegetarisch; dies hing mit ihrer negativen Einschätzung der mentalen Fähigkeiten der Tiere zusammen und mit ihrer Überzeugung, dass der Mensch gegenüber der Tierwelt keinerlei ethische Pflichten habe. Auch den Epikureern war die Idee einer Rücksichtnahme auf die Tierwelt fremd. Ein Teil der prominenten kaiserzeitlichen Platoniker und Neuplatoniker lebte vegetarisch, darunter Plutarch (allerdings wohl nur zeitweilig), Apollonios von Tyana, Plotin und Porphyrios. Porphyrios lehnte auch die Tieropfer ab, Iamblichos hingegen verteidigte die rituellen Schlachtungen.

In der Antike wurde der Vegetarismus, den man Enthaltung vom Beseelten nannte, stets als Angelegenheit einer sehr kleinen philosophischen Elite betrachtet. Die Vegetarier waren asketisch ausgerichtet und betrachteten Fleischnahrung als nachteilig für asketische und philosophische Bestrebungen. Großenteils waren sie auch ethisch motiviert, verwarfen Tieropfer und betonten die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier (während ihre Gegner die Unterschiede hervorhoben). Die Frage, ob es ethische Pflichten gegenüber den Tieren gibt (Tierrechte), wurde kontrovers diskutiert. Unter den Platonikern war der Anteil der Vegetarier und Tierfreunde relativ hoch, in den anderen Philosophenschulen (Peripatetiker, Stoiker, Epikureer) sehr klein bzw. nicht vorhanden. Die extreme Anspruchslosigkeit der Kyniker bewog sie zu weitgehend fleischloser Ernährung, doch machten sie daraus kein Prinzip.

Oft war der Vegetarismus mit religiösen Überzeugungen verbunden, zu denen auch die Seelenwanderungslehre gehörte. Auch unter Nichtvegetariern war die Ansicht verbreitet, in einem Goldenen Zeitalter am Anfang der Menschheitsgeschichte habe es noch keine Fleischkost (und keinen Krieg und Mord) gegeben und die Erde habe von sich aus alle benötigte Nahrung hervorgebracht. Dieser Mythos findet sich bei Hesiod (Werke und Tage 109 ff.), Platon (Staatsmann 271–2), Ovid (Metamorphosen 1,89 ff.; 15,96 ff.) und anderen. Hier besteht eine Parallele zur christlichen Vorstellung, die Fleischnahrung sei erst nach der Sintflut eingeführt worden.

Bei den Manichäern waren die „Electi“ (Auserwählte) ethisch motivierte Vegetarier, die auch keine Eier aßen und grundsätzlich nicht töteten; für den breiteren Kreis der „Auditores“ (Hörer) galten weniger strenge Regeln.


Mittelalter und frühe Neuzeit

Auch Häretiker des Mittelalters (Bogomilen, Katharer und andere) betrachteten den Verzicht auf Fleisch als wichtigen Teil der Askese. Kompromisslosigkeit in diesem Punkt galt als Erkennungsmerkmal zur Unterscheidung der Häretiker von Asketen, die im Sinne der kirchlichen Lehre rechtgläubig waren. Der heilige Franziskus hat trotz der Einbeziehung der Tiere in seine religiöse Gedankenwelt Vegetarismus weder praktiziert noch propagiert.

Erst in der frühen Neuzeit im Zusammenhang mit dem humanitären Gedankengut brachten wieder prominente Persönlichkeiten Argumente für einen ethisch begründeten Vegetarismus vor, darunter Leonardo da Vinci, Michel de Montaigne und Pierre Gassendi. Sie ließen es aber – mit Ausnahme von da Vinci – bei verbalen Bekundungen bewenden und praktizierten den Vegetarismus selbst nicht oder nur zeitweilig. Vor dem 19. Jahrhundert gab es in Europa zwar literarische Kritik an gewissen Aspekten von Jagd und Schlachtung, aber fast keine aus Überzeugung konsequent praktizierenden Vegetarier. Einflussreiche Philosophen wie Descartes und Kant vertraten die Auffassung, dass es keine ethischen Pflichten gegenüber der Tierwelt geben könne.


Entwicklung im 19. Jahrhundert

In England war die Bereitschaft zu praktischer Umsetzung und Propagierung der vegetarischen Idee am größten (und dort findet sie noch heute überdurchschnittlich starke Resonanz). Hier und in Schottland praktizierten schon im 18. Jahrhundert einige dem Puritanismus nahestehende Sekten Askese in Form von Verzicht auf fleischliche Nahrung. 1801 wurde in London der erste Vegetarierverein gegründet, dem bald ähnliche Vereinigungen in anderen englischen Städten folgten. Im frühen 19. Jahrhundert war der prominenteste Wortführer des ethisch motivierten Vegetarismus der Dichter Shelley. 1847 kam es zur Gründung der Vegetarian Society. Ein typischer Repräsentant des in der Öffentlichkeit aktiven englischen Vegetarismus war George Bernard Shaw. Ein berühmter Vegetarier war auch Tolstoj, der sich allerdings erst im Alter dieser Idee zugewandt hatte.

Als Begründer der vegetarischen Bewegung in Deutschland gilt Gustav Struve (1805–1870). Er wurde durch Jean-Jacques Rousseaus Roman „Emile“ zu einem Leben ohne Fleisch bekehrt. 1868 gründete er mit Gesinnungsgenossen aus Stuttgart und Umgebung einen vegetarischen Verein, der noch heute besteht. 1869 erschien sein grundlegendes Werk „Pflanzenkost – die Grundlage einer neuen Weltanschauung“, das die vegetarische Bewegung nachhaltig beeinflusste.

Auch Wilhelm Zimmermann wurde durch die Lektüre Rousseauscher Schriften angeregt, sich fortan nur mit pflanzlichen Produkten zu ernähren. Nach einer Englandreise verfasste er sein Büchlein „Weg zum Paradies“ (1844) und wurde einer der wichtigsten und frühesten Vermittler des religiös motivierten Vegetarismus angelsächsischer Prägung in Deutschland.

Bereits seit 1846 experimentierte der kontroverse homöopathische Wunderheiler Arthur Lutze (1813-1870) in Köthen mit detaillierten vegetarischen Diätvorschriften, und 1855 eröffnete er hier eine riesige Klinik, um seine Theorien an Tausenden von Patienten in die Praxis umzusetzen, nach heutigen Begriffen die erste Wellness-Klinik der Welt, die noch bis 1914 existierte.

Theodor Hahn (1824–1883) war der erste Vertreter der Naturheilkunde in Deutschland, der seinen Patienten seit 1852 auch eine vegetarische Diät verordnete. Durch Hahns Schriften wurde Eduard Baltzer (1814–1887) auf den Vegetarismus aufmerksam. Baltzer gründete 1867 mit Familienangehörigen einen „Verein für natürliche Lebensweise“, der rasch wuchs und 1869 in „Deutscher Verein für naturgemäße Lebensweise (Vegetarianer)“ umbenannt wurde. In der vierbändigen Schrift „Die natürliche Lebensweise“ pries er den Vegetarismus als die Quelle individuellen und sozialen Glücks. Dabei und in einer späteren Veröffentlichung bezog er sich auch auf Bibelstellen, die angeblich die Gottgewolltheit vegetarischer Lebensweise belegen.

Durch zahlreiche Vereinsgründungen und durch die wirksame publizistische Tätigkeit Eduard Baltzers gewann die vegetarische Bewegung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts stark an Bedeutung. Dabei waren die von den jeweiligen Anhängern propagierten Begründungen für eine fleischlose Lebensweise unterschiedlich. Der „hygienische“ Vegetarismus führte vor allem physiologisch-anatomische Elemente ins Feld. Zu den Hauptargumenten seiner Vertreter zählte der Hinweis, dass der Fleischkonsum für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich sei. Andere Anhänger des Vegetarismus unternahmen wiederholt den Versuch, den Verzicht auf Fleischkonsum auch oder vor allem sozioökonomisch zu begründen. Meist waren solche Konzepte mit einer scharfen Zivilisationskritik und stark romantischen oder gar utopischen Züge verbunden. 1893 wurde von Anhängern der Lebensreformbewegung in Oranienburg bei Berlin eine vegetarische Obstbaugenossenschaft gegründet, die den verheissungsvollen Namen Eden trug. In der Weimarer Republik wurde sie zu einem Kristallisationspunkt reformerischer Ideen und Arbeit auf vielen Gebieten. In ihren offiziellen Selbstdarstellungen wird jedoch meist verschwiegen, dass in Eden, die der jüdische Ökonom und Soziologe Franz Oppenheimer gefördert hat und auf seinen Genossenschaftsvorstellungen beruhte, auch völkisch-antisemitische Bestrebungen Fuß fassen konnten. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten fast 1000 Menschen im genossenschaftlich organisierten „Eden“.

Eine dritte Richtung in der vegetarischen Bewegung bildeten die „Gemütsvegetarier“, die den Fleischverzicht in erster Linie mit ethischen Argumenten rechtfertigten. Sie verabscheuten in der Regel das Töten von Tieren und unterstützten teilweise bereits im 19. Jahrhundert die Gegner der Tierversuche (Antivivisektionisten). Nicht zuletzt wegen der Beteiligung an deren Kampagnen waren die Vegetarier den naturwissenschaftlich orientierten Ärzten und medizinischen Forschern suspekt. Es gab heftige Auseinandersetzungen, besonders um die Bedeutung des tierischen Eiweißes für die menschliche Ernährung.

Die in zahlreichen Vereinen organisierten Vegetarier waren dagegen größtenteils überzeugt, ein Allheilmittel für sämtliche Lebens- und Gesundheitsprobleme zu haben. Sie schlossen sich regional und überregional zusammen, erlebten jedoch auch rivalisierende Abspaltungen. Erst 1892 fand bei einem festlichen vegetarischen Menü der Zusammenschluss zweier Dachverbände zum „Deutschen Vegetarier-Bund“ mit Sitz in Leipzig statt.


Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert

Der erhoffte Aufschwung blieb jedoch aus; die Mitgliederzahlen waren seit dem Ersten Weltkrieg stark rückläufig. Obwohl der Bund bereits vor 1933 Versuche unternommen hatte, sich bei den Nationalsozialisten anzubiedern, wurde er nach der „Machtergreifung“ gleichgeschaltet und mit Teilen der Lebensreformbewegung im so genannten „Reichsvollkornbrotausschuss“ zusammengefasst. Offensichtlich waren der Parteiführung die pazifistischen und sektiererischen Tendenzen der Vegetarier ein Dorn im Auge. Andererseits kam die Ernährungsweise, die die Vegetarier propagierten, den Machthabern entgegen, weil sich so die Ernährungskrise, die sich bereits vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs in Deutschland abzeichnete, politisch besser bewältigen ließ.

Nachdem sich bereits im neunzehnten Jahrhundert mehrere Vegetarierverbände auf nationaler Ebene gebildet hatten, entstand im Jahr 1908 die Internationale Vegetarier-Union als Dachverband.

Albert Schweitzer hat sich intensiv mit der ethischen Problematik der Anwendung tödlicher Gewalt gegen Tiere auseinandergesetzt. Dieses Thema beschäftigte ihn seit seiner Jugend. Er hat die europäische und fernöstliche Kulturgeschichte unter diesem Gesichtspunkt studiert und beschrieben. Das von ihm entwickelte Prinzip der Ehrfurcht vor dem Leben spielt noch heute in einschlägigen Diskussionen eine Rolle. Er ist aber erst kurz vor seinem Tod zur vegetarischen Ernährung übergegangen.

Der Ernährungsforscher Werner Kollath propagierte die so genannte „Vollwerternährung“. Im Mittelpunkt verschiedener Ernährungssysteme, die daran anknüpfen, steht das Bestreben, sich von der „denaturierten“ Zivilisationsnahrung abzuwenden und mit vollwertiger Nahrung die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu fördern, auch Krankheiten vorzubeugen oder sie gar zu heilen. Dies hatte zur Folge, dass Kliniken und Sanatorien mit teilweise oder gar ausschließlich vegetarischer Ernährung entstanden.


Zahl der Vegetarier


Deutschland

Laut Umfrageergebnissen aus Deutschland leben fünfzehn Prozent der Befragten ohne Fleisch und Wurst und neun Prozent essen keinen Fisch. Ungefähr sieben bis acht Prozent der Bevölkerung sind Vegetarier, darunter mehr Frauen als Männer. In den Hamburger Mensen entscheiden sich 17 % der Studierenden für das vegetarische Angebot.

Auf die Frage „Wie häufig essen Sie Fleisch bzw. Fleischprodukte“ antworteten im Allbus 2004 (Allgemeine Bevökerungsumfange der Sozialwissenschaften) rund 1,5 % mit „nie“ (Westdeutschland ca. 2 %, Ostdeutschland 0,5 %). Befragungen von Vegetarier-Magazinen bzw. in Naturkost- oder Reformläden überschätzen den Anteil der Vegetarier an der Bevölkerung häufig massiv.

Ein Trend zur vegetarischen beziehungsweise fleischarmen Ernährung bei jüngeren Menschen wurde auch durch die Shell-Studie „Jugend '97” belegt. Eigens hierfür wurden 2102 Personen im Alter von 13 und 14 Jahren befragt. Der Anteil derer, die sich fleischarm ernähren wollen, stieg von dreißig Prozent im Jahr 1991 auf sechsunddreißig Prozent im Jahr 1997 an. Bei den befragten weiblichen Personen lag die Zahl der „Fleischarmen” laut der zwölften Shell-Jugendstudie „Jugend ’97” sogar bei zweiundfünfzig Prozent.


International

In Großbritannien sind laut einer ICM Umfrage für den Daily Telegraph aus dem Jahr 2001 insgesamt neun Prozent, vor allem in jungen Altersgruppen, Vegetarier. In Indien, dem Ursprungsland von Vegetarismus, liegt der Anteil der Vegetarier laut dem Vegetarier-Bund Deutschlands in der Bevölkerung zwischen fünfzehn und zwanzig Prozent, würde dort also ungefähr zwischen 150 und 200 Millionen betragen. Laut der Anthropological Survey of India ASI, die im Zeitraum von 1985 bis 1992 durchgeführt wurde, sind in Indien insgesamt 220 Millionen Einwohner Vegetarier. In der Schweiz sind neun Prozent „beinahe“ Vegetarier und rund drei Prozent echte Vegetarier laut der so genannten Nutritrend-Studie von Nestlé aus dem Jahre 2001. In den USA ergab eine Time/CNN Umfrage am 15. Juli 2002, dass vier Prozent, also etwa 10,6 Millionen Leute Vegetarier sind.


V-Label

Bei Fertigprodukten und verarbeiteten Nahrungsmitteln ist oft nicht leicht zu erkennen, ob tierische Rohstoffe verwendet worden sind. Tierische Zusatzstoffe, wie Gelatine oder Fette tierischer Herkunft, sind insbesondere in Obstquark, Kuchen, Pudding, Joghurt, Eiscreme, Margarine, Marmelade oder Gummifrüchten für den Verbraucher oft unerwartet beigemengt. Deshalb wird zur Zeit in Europa von den Vegetarier-Organisationen ein vegetarisches Label, das sogenannte V-Label [7] eingeführt, mit dem für Vegetarier geeignete Produkte und Dienstleistungen zuverlässig gekennzeichnet werden sollen.

In England wird das Label „suitable for vegetarians“ schon seit den 80er Jahren verwendet, es gibt dafür jedoch keine einheitlichen Kriterien.


Organisationen

In Deutschland informiert der Vegetarier-Bund Deutschlands, kurz VEBU, über die vegetarische Lebensweise. Er gibt die Zeitschrift natürlich vegetarisch heraus und ist in Regionalgruppen organisiert.

In der Schweiz informiert die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV), über die vegetarische Lebensweise. Sie gibt die Zeitschrift Vegi-Info heraus und fördert eine verantwortungsbewusste, vegetarische Lebensweise.


Weltvegetariertag

Der Weltvegetariertag (englisch World Vegetarian Day) ist ein internationaler Aktionstag, der seit 1977 jeweils am 1. Oktober statt findet. Er wurde am Welt-Vegetarier-Kongress in Schottland 1977 von der „North American Vegetarian Society“ eingeführt um die vegetarische Lebensweise bekannter zu machen.


Quellen und Fußnoten:

  • Die Argumentation, dass die 10 Gebote die Aufforderung "Du sollst nicht töten!" enthielten, findet hier keine Anwendung. Mit dem Begriff "töten" ist weder das "Schlachten" von Tieren gemeint, noch die "Selbstverteidigung" bzw. Kriegshandlungen eines Soldaten. Das "Töten" in den 10 Geboten umreißt mehr die Begriffe "lünchen, morden, meucheln". Dieser Begriff wird zumindest in jüdischer und christlicher Theologie im allgemeinen nicht auf das Schlachten von Tieren angewand und lässt sich auch aus dem Kontext der Bibel nicht herauslesen. Erst im vergangenen Jahrhundert gerät die Ausdehnung des Begriffes auf Tiere stärker ins theologische Blickfeld.

  • Wilson, E. O.: The Future of Life (2002), Knopf Verlag

  • Havala, S. & Dwyer, Position of the ADA: vegetarian diets. J. Am. Diet. Assn. 93:1317–1319.

  • Dr. Gill Langley, Echo Verlag 1999: „Vegane Ernährung“ S. 27 -> 8 Lee, C.,Howe, J. M., Carlson, K. & Clark, H. E. (1971) Nitrogen retention of young men fed rice with or without supplementary chicken. Am. J. Clin. Nutr. 24:318–323

  • MedzInfo: pH-Wert - Säuren - Basen[1]

  • Milton R. Mills, M.D.: The Comparative Anatomy of Eating Dr. med. R. Mills Vergleichende Anatomie des Essens(engl.)

  • V-Label


Literatur:

  • Adiraja Dasa: Vedische Kochkunst, Bhaktivedanta Book Trust, 1987, ISBN 0-89213-087-3

  • Angela Grube: Vegane Lebensstile. Diskutiert im Rahmen einer qualitativen/quantitativen Studie, ibidem-Verlag, Stuttgart 2006

  • Helmut Kaplan: Warum ich Vegetarier bin – Prominente erzählen, Rowohlt Verlag, 1995, ISBN 3-499-19675-1

  • Helmut Kaplan: Leichenschmaus, Rowohlt Verlag, 1993, ISBN 3-499-19513-5

  • Wolfgang R. Krabbe: Gesellschaftsveränderung durch Lebensreform. Strukturmerkmale einer sozialreformerischen Bewegung im Deutschland der Industrialisierungsperiode, Göttingen 1974

  • Manuela Linnemann, Claudia Schorcht (Hg.): Vegetarismus. Zur Geschichte und Zukunft einer Lebensweise., Harald Fischer Verlag, Erlangen 2001, ISBN 3-89131-403-5

  • Axel Meyer: Fleisch, Taoasis Verlag, Lemgo, 1993, ISBN 3-926014-21-0

  • Axel Meyer: Abschied vom Fleisch, Taoasis Verlag, Lemgo, 1995, ISBN 3-9260-1425-3

  • Christian Opitz: Ernährung für Mensch und Erde, Hans-Nietsch Verlag, 1995, ISBN 3-929475-07-3

  • Steven Rosen: Die Erde bewirtet Euch festlich, Adyar Verlag, Satteldorf, 1992, ISBN 3-89427-218-X

  • Hans Jürgen Teuteberg: Zur Sozialgeschichte des Vegetarismus. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 81 (1994), S. 33–65

  • Ronald Zürrer, Armin Risi: Vegetarisch leben, Govinda Verlag, 1999, ISBN 3-906347-43-5

    Dokumentarfilme über Vegetarismus

  • „Götterspeise in Berlin“ (VHS, 1987, VedaVid-Produktion, mit Georg Thomalla)


Weblinks:

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11.12.2018, 17:52:00