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AIQUM » Forum » TOP-Thema » Kalorien treiben den Krebs an
Thema Autor Datum
Kalorien treiben den Krebs an AIQUM 16.02.2007, 01:07:58


Von Martina Lenzen-Schulte

Das eigene Übergewicht ist für viele Menschen anfangs noch ein lästiges, manchmal auch nur ein ästhetisches Phänomen. Später wird Übergewicht häufig ausschließlich als beherrschbares Stoffwechselleiden gesehen, doch die Wahrheit ist, dass offenbar sogar bösartige Tumorerkrankungen eng damit verknüpft sind. Für diesen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs haben Thomas Hawighorst und Günter Emons von der Universitätsfrauenklinik in Göttingen unlängst eine Vielzahl von sich häufenden Belegen in der Fachzeitschrift „Der Gynäkologe“ (Bd. 39, S. 975) vorgelegt.


An Übergewicht leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen, sie haben einen Body-Mass-Index (Körpergewicht dividiert durch Körpergröße im Quadrat) von mehr als 25. Dreihundert Millionen gelten mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30 als fettleibig oder adipös.


Andere Erklärungen schon herausgefiltert


Die Weltgesundheitsorganisation sieht es als erwiesen an, dass schon das Übergewicht bei Brustkrebs, Darmkrebs, Tumoren der Niere, der Speiseröhre und der Gebärmutter eine bedeutsame Rolle spielt. Den Übergewichtigen selbst ist selten bewusst, welche Zeitbombe in ihrem Körper tickt. Eine Umfrage in den Vereinigten Staaten ergab, dass weniger als fünf Prozent überhaupt schon davon gehört hatten.


Dabei sind neueren Erkenntnissen zufolge 14 Prozent aller männlichen und 20 Prozent aller weiblichen Krebstodesfälle allein auf Übergewicht oder Fettleibigkeit zurückzuführen. Bei manchen Tumoren liegt diese Rate noch höher, ein Viertel aller Gebärmutterkarzinome verdankt sich einem zu hohen Körpergewicht. Es hilft auch nicht, nach anderen Erklärungen für diese Befunde zu suchen - mögliche Mitverursacher von Krebs wie zum Beispiel Rauchen wurden aus den Berechnungen wohlweislich schon herausgefiltert.


Lange galten Übergewicht und Fettleibigkeit lediglich als kardiovaskuläre Risikofaktoren, die in den Blutgefäßen von Herz, Gehirn, Auge, Niere und Unterschenkel langfristig Schäden hervorrufen. Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Nierenversagen und Beinamputation drohen daher übergewichtigen Menschen oft schon in jüngeren Jahren.


Signalgeber können Wirkung stärker ausspielen


Da infolge überkalorischer Ernährung, kombiniert mit zu wenig Bewegung, stets hohe Blutzuckerspiegel anfallen, ist bei Übergewichtigen ständig Insulin gefordert, damit der Zucker aus dem Blut in die Organe transportiert wird. Dieses in den vergangenen Jahrzehnten wohl am meisten unterschätzte Hormon ist eines der zentralen Bindeglieder zwischen Übergewicht und Krebs, stellt es doch ein potentes Wachstumshormon dar. So ließ sich nachweisen, dass ständig überhöhte Insulinspiegel bei der Entstehung von Brustkrebs und Tumoren in der Gebärmutter eine bedeutsame Rolle spielen. Auf den Krebsvorläuferzellen sitzen Rezeptoren für das Insulin, die nach der Bindung an das Hormon das Tumorwachstum fördern.


Noch weit gefährlicher sind die verwandten Verbindungen des Insulins. Da ist in erster Linie der insulinähnliche Wachstumsfaktor oder IGF-1 zu nennen. Dieser nimmt eine Schlüsselfunktion ein, wo es um kontrollierten Zelltod, also Apoptose, Teilung und Differenzierung von Zellen geht. Insulin kann selbst an den Bindungsstellen dieses Moleküls andocken und dadurch dessen Freisetzung forcieren.


Schließlich sorgt Insulin dafür, dass die Konzentration jener Eiweiße, die im Blut Sexualhormone binden, absinkt. Dadurch kreist mehr Testosteron und Östradiol frei im Blut, und diese Signalgeber können ihre Wirkung stärker ausspielen. Wie sehr Tumoren der Brust oder andere, sexualhormonempfindliche Geschwulste dadurch angeregt werden können, ist nicht zuletzt durch die Folgen der Hormonersatztherapie bekanntgeworden.


Übergewicht behindert auch Behandlung


Vollkommen unterschätzt hat man auch das Fettgewebe selbst. Es ist eine hochpotente Drüse, die entscheidend in den Hormonhaushalt eingreift. Japanische Forscher haben gezeigt, dass unter anderem das von Fettzellen abgegebene Eiweißhormon Leptin das Wachstum von Darmkrebszellen unmittelbar anregt. Es kommt hinzu, dass das Fettgewebe dazu beiträgt, den übergewichtigen Organismus in einen zwar unterschwelligen und nicht spürbaren, aber ständig präsenten Entzündungszustand versetzt. Entzündungsfördernde Zytokine findet man deshalb erhöht. Solche Mediatoren bereiten ihrerseits den Nährboden für bösartige Prozesse.


Angesichts der weltweiten Adipositasepidemie rechnen die Experten mit einem wachsenden Einfluss des Gewichts auf die Krebsneuerkrankungsraten. Womöglich werden dann auch für andere Tumorarten die Zusammenhänge noch deutlicher als bisher hervortreten, etwa für Prostatakrebs, bestimmte Blutkrebsformen und Lymphome oder auch Gallenblasenkrebs.


Bei bereits krebskranken Patienten wirkt sich Übergewicht überdies ungünstig auf die Behandlungsergebnisse aus. Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, ist für extrem fettleibige Patientinnen dreimal so hoch wie für sehr schlanke. Selbst nach der Krebsdiagnose lohnt sich ein Umdenken. Die Umstellung der Ernährung oder der Beginn eines Fitnesstrainings kann auch dann noch die Überlebensraten von Brustkrebspatientinnen verbessern.

URL:  http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~EE74468981C124BBCA6



Re:Kalorien treiben den Krebs an ein Mitglied 16.02.2007, 13:42:30
Ein äußerst aufschlussreicher Bericht, der zu denken gibt. Danke, Thomas.

LG, Höpper
Re:Kalorien treiben den Krebs an ein Mitglied 16.02.2007, 14:38:22
Ach je   

Danke Thomas für den aufschlussreichen Artikel.

Bei mir ist es ja nun schon so weit, dass ich körperlich mein Übergewicht sehr deutlich spüre, und das ist auch der Hauptgrund, warum ich nun wild entschlossen bin, meine mehr als überflüssigen Pfunde loszuwerden.

Will gar nicht wissen, was sich da in meinem Körper bereits alles tut bzw. getan hat in all meinen übergewichtigen Jahren, ohne dass ich was davon merke 

lg Uschi
Re:Kalorien treiben den Krebs an ein Mitglied 16.02.2007, 18:11:18
Puuh, 

ganz schöner Schocker!

Das Übergewicht, besonders wenn man wie ich die typische Apfelfigur hat, einige Risikofaktoren für Herz- Kreislauferkrankungen und natürlich die Gefahr Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten zu bekommen mit sich bringt, war mir ja bekannt. Jetzt auch noch Krebs. 

Jetzt gehts dem Fett erst recht an den Kragen!  haudrauf  WECH DAMIT !

LG
Miki


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