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AIQUM » Forum » Abnehmen Forum » Esssucht / Binge Eating
Thema Autor Datum
Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 05.09.2011, 20:21:24
Guten Abend (oder Morgen?),

ich oute mich hier jetzt mal als Esssüchtige und wollte mal fragen, ob es hier noch jemanden gibt mit der offiziellen Diagnose: "Binge Eating". Also ich meine jetzt richtig krankhaft essüchtig, nicht "nur" (ich weiß, dass ich auch fies) das Gefühl mal bei einer Tafel Schoki nicht aufhören zu können.
Ich habe in den letzten Wochen aufgrund von massiven Stimmungsschwankungen 10 kg zugenommen (neben dem ohnehin schon vorh. Ü-Gewicht). Ich mache Therapie wegen der Esssucht. Dabei wird es zwar nicht gerne gesehen, dass ich Kalorien zähle, aber ich mache das ja inzwischen nicht mehr so streng. D.h. ich ernähre mich ja auch wenn ich hier im Programm bin, mit ausreichend Kalorien. Früher gab es oft das Entweder-Oder-Prinzip. Oder "Alles- oder Nichts". Etwas Kontrolle im Sinne dieses Programmes brauche ich einfach und das finde ich auch o.k..
Na jedenfalls haben Essen und Emotionen bei mir immer eine große Bedeutung. Nun bin ich schon ganz stolz, dass ich mich 7 Tage normal  ernährt habe, also ohne Essanfälle. Ich habe jetzt in den ersten Wochen auch gar nicht das Ziel bei nur 1.200 kcal zu bleiben. Vielmehr lautet meine Devise: versuche unter 2.000 zu bleiben. Aufgrund meiner Länge hätte ich so einen Bedarf von 2.600 lt. diversen Tabellen. Ebenso kann ich gerade nicht am Sportprogramm teilnehmen, da ich gerade auf eine andere Art und Weise sehr beschäftigt bin (mental). Ich versuche etwas Bewegung in meinem Tagesablauf einzubinden und bin gespannt, was die Waage am kommenden Sonntag sagt. Ich schaffe es locker an Fressanfall-Tagen die 10.000 Kalorien zu überschreiten.

So, bin gespannt, ob ich hier alleine bleibe mit dem Thema...ich glaube es ja eher nicht.
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 05.09.2011, 23:17:52
Hallo Marieke,

ich kann ganz gut nachvollziehen wo du dich gerade befindest. Selbst bin ich nicht ess-süchtig, aber ich hatte genau dasselbe Problem mit dem Alkohol. Eben, Alles oder Nichts  Ich trinke seit 13 Jahren kein Alkohol mehr. Mit dem Alkohol ist es irgendwie einfacher, denn von Alkohol kann man abstinent leben, jedoch nicht vom Essen.

In deiner Therapie lernst du wohl mit deiner Emotionen umzugehen, ohne Essen als Medikament zu benutzen. Ich kann auch verstehen warum sie in deiner Therapie nicht so begeistert sind dass du Kalorien zählst, denn für denen geht es um's Loslassen und aufhören Alles kontrollieren zu wollen, denn das endet ja doch in Kontrollverlust.

Was ich dir aber vorschlage: iss so viele Kalorien wie Aiqum dir vorschlägt, und nicht nur 1200 oder eben 2000. In diesem Fall, wenn du das schaffst, könntest du sagen: ich bin heute nicht mehr als 100 Kalorien über oder unter dem Aiqum-Vorschlag, also habe ich 24 Stunden geschaft "abstinent" zu sein, denn in dem Fall hast du dir an den Plan gehalten.

Ich glaube, sie können auch in deiner Therapie verstehen wenn du sagst dass du gerne etwas Bewegung in der frische Luft einbauen möchtest. Fragen kannst du ja.

Liebe Marieke, ich bin Suchttherapeut, und du darfst gerne eine PN schreiben.

Liebe Grüsse,
Dorte
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 06.09.2011, 06:44:26
@Dorte, vielen Dank! Ja, Sucht ist Sucht und das "Prinzip" ist ja für alle gleich. Wobei ich ja auch meine, es ist einfacher komplett auf etwas zu verzichten. Das Rauchen habe ich beim 1. Anlauf aufgegeben und ich habe auch nach 6 Jahren kein Verlangen mehr.

Danke für Dein Angebot wegen der PN. ich komme ggf. mal darauf zurück.

Schönen Tag Dir und allen die dies nun hier lesen.
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 06.09.2011, 09:33:29
Hallo,

Esssüchtig bin ich nicht glaube ich jedenfalls!

Es gibt es manchmal Tage da habe ich gelüste.
Sage zu mir esse nur ein stückchen Schokolade dann ist einmal die ganze weg hinterher schimpfe ich mich darüber.

Du must wieder ein Normales Verhältnis zum essen aufbauen da wird es dir in der Therapie gezeigt gelernt.
Auch regelmäßige Artzbesuche Blutwerte und Kontrolle von deinem grewicht ist es sehr wichtig.
Schreibe auch auf was du am Tag so ißt.
Dann hast du bessere Kontrolle über dein Essverhalten.
Wünsche dir alles gute wenn du jemanden zum reden brauchst dann kannst mir auch privat schreiben ,bevor du etwas isst.


Ich war jetzt eine Woche in Urlub in Italien.

Habe auch alles mögliche gegessen.

Frühstück 2 Cappuccino,1Saft 1-2Brötchen mit Butter Wurst,Käse,Marmelade,1Müsli.

Mittags habe unterwegs etwas gegessen.

Nachmittags gab es oft eis und dann einen Cappuccino mit sahne

Am abend gab es 3Gänge Menü und hinterher habe ich jeden abend 1Cappuccino mit Sahne getrunken.

Dachte 3-4kg habe bestimmt zugenommen.


War gerade auf meiner Waage habe 1,5kg zugenommen.
Was ich da alles gegesen habe hätteich mehr erwartet.

Conny

Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 24.10.2011, 09:24:14
Hallo Ihr Lieben 

Esssucht und Binge Eating sind auch meine Begleiter, seit vielen Jahren. Aber mittlerweile hab ich fast keine grossen ca. 10.000 Kalorien Fressanfälle mehr, sondern ich überesse mich halt meistens jeden Tag mit 3000- 4000 Kalorien.
Ich hab dann immer versucht, mit strengen Regeln und Plänen dagegen anzukämpfen, was es aber nur noch schlimmer gemacht hat.
Deshalb bin ich nun hier und versuche es mit der FlexiblenDiätMethode. Ich hoffe, dass der abgefallene Druck und die gewonnene Freiheit, was das Planen angeht, mir helfen wird, die Fressanfälle und das Überessen zu eliminieren und durch erlauben von kleinen Sünden die riesengrosse Gier langsam aber sicher nachlässt.

Ich wünsche allen viel Erfolg
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 24.10.2011, 10:29:58
Hallo Silberelfe,

herzlich willkommen bei uns

Ich moechte dir empfehlen unbedingt die FAQs zu lesen.  Klicke dafuer auf "AIQUM:_wissen

Liebe Gruesse und viel Erfolg
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 24.10.2011, 13:29:28
Danke, da hab ich schon reingeschaut, aber noch nicht gründlich durchgelesen. Mach ich gleich.
Re:Esssucht / Binge Eating AIQUM 24.10.2011, 13:57:09
abnehmen auf AIQUM
Esssucht und Binge Eating sind auch meine Begleiter, seit vielen Jahren. Aber mittlerweile hab ich fast keine grossen ca. 10.000 Kalorien Fressanfälle mehr, sondern ich überesse mich halt meistens jeden Tag mit 3000- 4000 Kalorien.


Hallo Silberelfe und herzlich willkommen auf AIQUM! 

10 000kcal/Tag weisen schon auf ein ersteres seelisches Problem hin und ein Überessen täglich von 3-4tsd. Kalorien sind ein Hinweis noch darauf, dass das Problem offensichtlich nicht gänzlich aus der Welt ist...

Eine wichtige Frage daher vorweg: warst Du jemals wegen Deinem Binge Eating in therapeutischer Behandlung?

LG,
Thomas

Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 24.10.2011, 18:55:11
Hallo Thomas,

ich werde von einer Psychologin betreut.

Da hängt halt ein riesiger, lebenslanger Rattenschwanz an alten familiären Problemen dahinter, die jetzt aber aus der Welt sind. Es könnte mir eigentlich nicht besser gehn.

Nur die falsche, angewöhnte Verhaltensweise im Unterbewusstsein, Essen als Ersatz für alles und als Problemlöser zu missbrauchen, daran arbeite ich gerade, das zu ändern.
Und es wird immer besser, und ich habe auch hier, mit dem Programm als Unterstützung, ein gutes Gefühl.
Das Verhaltensseminar mache ich auch mit.
Ich bin definitiv auf dem Weg der Besserung, Babyschritte, aber immerhin komm ich voran.
Schon der 2. Tag unter 2000 Kalorien und keine starke Gier.



Re:Esssucht / Binge Eating AIQUM 24.10.2011, 20:12:13
Danke Silberelfe, wollte nur hören, dass parallel zu AIQUM psycholog. Betreuung stattfindet! 

LG und gute Besserung,

Thomas
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 30.10.2011, 10:00:21
Also, ich muss schon sagen, seit ich hier bin, hatte ich keinen richtigen Fressanfall mehr. Ich bin wirklich motiviert, endlich "normal" essen und abnehmen zu lernen und auch in meinem vorgebenen Kalorienrahmen zu bleiben.
Jahrelang hab ich , wenn ich dann mal vermeintlich stark war, immer weit unter 1000 Kalos gegessen und die Anwort waren kurze Zeit später wieder Fressanfälle und Frust. Und so hab ich mich hochgejojot.
Wenn eine Stresssituation kommt, weiss ich natürlich nicht, ob ich nicht wieder in alte Muster falle, aber ich hab mir fest vorgenommen, dann meinen Frust beim Sport abzubauen. Obs klappt, keine Ahnung.
Aber ich hoffe das Beste und streng mich an, das alte dickmachende Schutz-Programm im Unterbewusstsein muss geändert werden.  bin dafür
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 04.11.2011, 10:53:05
Ich hab auch die Diagnose BingeEaterin zu sein und war deshalb auch schon in stationärer Therapie.

Seit Jahren lebe ich aber nun weitesgehend Suchtfrei und muss nur noch in ganz stark belastenden Situationen mein Notprogramm zutage fördern.

Mit guter Betreuung und dem Outcoming der eigentlichen Probleme, also ich mein des eigenen Verstehens, kann man irgendwann gut mit der Diagnose leben, denn sie bleibt Dir ja lebenslang erhalten 

Was bei mir leider noch nicht so richtig klappt ist die Gewichtsreduktion, allerdings hab ich zumindestens mein Höchstgewicht nie getoppt und hab keine Fressanfälle im eigentlichen Sinn mehr und das andere kommt auch , dass weiß ich !!!
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 22.12.2011, 12:27:00
Hi,
Diagnose habe ich keine, Fressanfälle dafür öfters. Eigentlich klappte das mit dem Abnehmen ganz gut, bis diese verdammten Zahnops anfingen... Aber mal der Reihe nach...

Dann - Sept. 2010 bis Mai 2011 - hatte ich in dieser Zeit so einige Zahnops, konnte und durfte keinen Sport machen, war infektionsanfällig, und konnte - den Zahnops sei's gedankt - 4 Wochen nichts anderes essen als Sandwichscheiben (also diese labbrigen Weißbrotscheiben) in Kombination mit "Streichbarem", sprich: Honig, Nutella, Erdnussbutter, vegetarische Pasteten oder Marmelade. Diese Zeit tat meinem Körper garnicht gut und ich entwickelte eine Schilddrüsenunterfunktion, durch die ich auch nochmal kräftig zulegte.
Den Sommer über pendelte sich das bei so ca. 91 +/- 1,5 kg ein. Dann kam der Herbst, der Stress, und die Erkältungen und das Gewicht ging hoch. Vor 4 Wochen hatte ich eine Grippe, Erkältung, (Viren + Bakterien) und anschließend eine Magen-Darm-Grippe, wo ich erstmal ca. 3 Wochen im Bett lag. Danach war ich aschfahl im Gesicht und hatte - total untypisch - Heißhunger auf Fleisch. Eisenmangel, vermutete ich, und habe mal angefangen eisenhaltigen Saft zu mir zu nehmen UND Fleisch in den rauhen Mengen, die mir mein Körper befahl, zu mir zu nehmen -> ich bekam 1) wieder Kraft, und 2) wieder Farbe ins Gesicht. Anfang nächsten Jahres muss ich eh wieder die Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen, da werde ich mal die Nährstoffe angucken lassen.

Soweit zur Vorgeschichte. Was ich immer wieder habe sind Fressanfälle. Ich habe inzwischen kaum noch Süßigkeiten im Haus, und die Süßigkeiten und das Trockenobst, die/das ich noch besitze befindet sich in meinem Kellerabteil in Kisten. Aber: wenn ich dann mal einen FA habe, dann werde ich kreativ und fresse alles, was mir in die Quere kommt: sei es Couscous-Milchreis, normaler Milchreis, Trockenobst, Nüsse, Milch, Süßigkeiten, Brot mit Honig, ... Dann kann ich einfach nicht mehr aufhören. Beispiel für einen "Fressanfall-Tag"? 100 g Müsli, 10 Kitkat Single, 200 g Erdnussbutter, 750 g Zwetschgen, 1/2 Gurke + 1/2 Paprika + Antipasti (Tintenfisch + Krabben), Molke, 250 ml Milch... Dann versuche ich am nächsten Tag alles wieder auszugleichen, mache Sport (wenn möglich) etc. Dann geht das ein paar Tage gut, und der nächste FA kommt wieder.

Irgendein dämlicher Schalter in meinem Kopf hakt da aus, wenn ich FAs habe. Besonders gerne, wenn ich Stress oder Langeweile habe, oder mich einsam fühle. Abends, alleine vorm TV oder Rechner oder auf der Arbeit, wenn der Frust zunimmt, die Motivation und die Konzentration abnimmt. Was auch ein Problem ist: wenn ich eine Packung aufmache, habe ich den Zwang diese Packung schnellstmöglichst leer zu essen, egal ob es sich um einzeln abgepackte Kit Kats handelt, oder um eine Tafel Schokolade, oder einen Teller Plätzchen.
Wie zum Geier kann man den Schalter im Kopf so umlegen, dass man nicht immer diesem verdammten Essenszwang nachgeben muss? "Nichts kaufen" klappt bei mir nicht. Dazu esse ich a) zu gerne, b) werde ich dann doch irgendwann schwach und stopfe erst recht alles in mich rein...

Irgendwie verzwickt. In Therapie will und werde ich mich nicht begeben. Ich habe den Verdacht, dass "alles besser wird" (so ernährungstechnisch, alles andere ist nämlich eigentlich im Lot), wenn mein Leben wieder in geregeltere Bahnen gelenkt wird. Momentan wechseln sich nämlich Stress/permanenter Zeitdruck-ohne-Licht-am-Ende-des-Tunnels und Phasen der Langeweile am Abend ab. Und DANN fällt der Stress ab und ich nehme überhaupt erstmal wieder irgendwas um mich herum wahr. Seit ca. 1 Woche habe ich zwar Stress, aber weniger als zuvor, ich schlafe mehr, und habe wieder geregeltere Arbeitszeiten und auch ein bisschen mehr Freizeit, so 1-2 Std/Tag... Wenn ich aus der Arbeit heimkomme hatte ich öfters einfach erstmal 'nen Fressanfall. Naja. Wie gesagt: jetzt, seit ca. einer Woche ist's a weng besser... :-/ Das mit dem geregelteren Leben, mehr Freizeit (das müssen mehr als 1-2 Std/Tag werden, nach dem Urlaub meine ich!) und überhaupt wieder (mehr) Sport steht schon fest auf dem Plan.

Die Aiqum-"Diät" halte und hielt ich übrigens schlecht durch. Bei 1200 kcal habe ich das Gefühl gleich umzukippen/fühle mich elendig schwach, und ich fühle mich - tendenziell zumindest - bei ca. 1500 kcal satt. Fressanfälle traten seitdem eigentlich erst so richtig auf. Das ist auch der Grund, wieso ich dann im Juni meinen "Vertrag" nicht verlängere. Worauf es beim Essen ankommt habe ich gelernt: viel Gemüse, wenig Fleisch (1x / Woche gibt's bei mir Fleisch, 1-2x / Woche Fisch), nichts in Fett ersäufen, und weniger essen als man braucht + Sport. Wenn die Fressattacken nicht wären, würde das auch ganz gut klappen. Aber mit dem "zuviel" an Kaloriendefizit + Stress + der-Mehrkomponenten-Mix-an-Auslösern wird das so nix.

Ich denke eine andere Methode zum Abnehmen zu brauchen. Immer noch auf die Kalorien achten, und diese abwechseln, aber mit höheren Vorgaben, sonst fress ich wohl immer zuviel. V.a. - ich muss von diesem Verhaltensmuster a la "Schweinebraten ist ungesund, du darfst nicht..." loskommen. Ich bin - bevor ich diese Fleisch-Fress-Phase hatte - quasi ein vollständiger Körnerfresser gewesen. Quinoa, Hirse, blablabla mit Gemüse - inzwischen habe ich keine Ahnung mehr, was mir überhaupt noch schmeckt. Wie sich Hunger und Appetit anfühlen weiß ich auch kaum noch, geschweige denn woran ich merke, was Hunger und Durst unterscheidet. Ich habe nach Plan gegessen, um ja nie ein Hungergefühl zu entwickeln. Ich muss wohl wieder lernen Hunger, Durst und Appetit voneinander unterscheiden und Essen genießen zu lernen. Wie sich das anfühlt kann mir ein Psychologe auch nicht sagen. Wo der Hund bei mir begraben liegt, weiß ich glaub ich recht gut. Tja.

@80kommanix: Wie lang bist du denn, wenn ich fragen darf? Ich bin 1,82 m - laut Tabelle dürfte ich 2500 um mein Gewicht zu halten, bei Sitztätigkeit+Stehpultverwendung.

Liebe Grüße,
lechuza
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 31.12.2011, 11:09:23
Schon seltsam warum die Leute bei der Erwähnung des Wortes Therapie immer gleich so in Panik geraten  , wenn ich mir das bei Dir so durchlese ist das weniger Binge Eating Disorder, die ist nämlich nicht ausschließlich durch äußere Einflüsse gekennzeichnet, sondern ein typisches Verhaltensproblem, was nicht weniger schlimm ist (Stress-Esser).

Dafür gibts dann auch Therapien  , nämlich Verhaltenstherapien und/oder neurolinguistisches Programmieren.

Allerdings kannst Du das im Gegensatz zur BED völlig allein in den Griff bekommen.

Gut dazu sind autogenes Training, Entspannungs-CDs, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Sport.

Auch dem erhöhten Verzehr von Zucker und co.(Brot, Nudeln, Reis, Getreide, Obst, Kartoffeln) werden Fressanfälle (Insulinresistenz), depressive Verstimmungen und Stressanfälligkeit nachgesagt.

Vielleicht wäre es mal gut wenn Du den Doc nach nem Glukosetoleranztest fragst ?
Re:Esssucht / Binge Eating ein Mitglied 05.01.2012, 16:15:28
Huhu Wiwa,
nö, Panik nicht. Ich weiß nur, dass ich keine Therapie will und brauche. Ich habe schon "schlimmeres" durch- und überstanden. Alles andere wird dagegen leicht. Ein Zuckerschlecken zwar nicht, aber immerhin leichter als das, was ich schon so alles mitgemacht habe. Klar wird's immer wieder mal Rückschläge geben, aber solange die Tendenz stimmt, dann pack' ich des schon. Die Zeit, die ich bei 'nem Therapeuten lassen würde, investiere ich lieber dazu das zu tun, was ich selbst machen will.

Als allerersten Punkt auf der Liste gegen Fressanfälle habe ich mir übrigens einen Gefrierschrank gekauft - gleich, nachdem ich angefangen habe ein Anti-Fress-Büchlein zu schreiben. Das mit dem Gefrierschrank klingt jetzt vollkommen bescheuert, aber ich glaube fest daran, dass es mir hilft, weil dieses Winzlingsgefrierfach nämlich immer wieder dazu führt, dass ich Zeug, welches ich gerne kaufen würde (z.B. mal Eis im Sommer oder Tiefkühlobst und -gemüse) nicht gekauft habe, weil es eigentlich nicht wirklich reinpasste. Wenn ich nämlich mal Eis kaufte, dann habe ich immer den Zwang gehabt diesen "Eiskarton" so schnell wie möglich zu leeren, damit ich wieder Platz für anderes im Gefrierfach habe. D.h. Eis überlebte dann vielleicht eine Woche, dann eine Woche ohne Eis, und 1, 2 Wochen später kam der nächste "Eiskarton" ins Haus, dem es ähnlich erging. In meinem 83l-Tischgefrierschrank wird im Sommer definitiv Platz für etwas Eis einkalkuliert, außerdem für Obst, das ich frisch vom Nachbarn bekommen kann, und dann für den Winter wegfrieren kann + Gemüse und im Winter. Auf diesen Gefrierschrank freu' ich mich ehrlich gesagt wie ein Schneekönig, v.a. auf die Möglichkeit dann im Sommer auch vom Nachbarn frisches Obst (der verkauft das Kisten-/Kiloweise) zu bekommen, und mir auch was für den Winter zu bunkern/keine Kisten allein aufessen zu "müssen". Außerdem kann ich dann auch mehr verschiedene Gerichte, die ich mir abends so koche, im Gefrierschrank "bunkern" und habe - wenn es "schnell gehen muss" mit dem Essen - aus einer höheren Anzahl an Gerichten wählen, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass etwas im TK-Schrank ist, was meinen aktuellen "Gelüsten" entspricht, höher ist, als wenn ich nur Platz für 5 x Gekochtes habe (und TK-Gemüse). Wenn es bisher "schnell gehen musste" mit dem Essen, habe ich eigenltich immer "das geringste Übel" aus dem TK-Fach gezogen, egal ob ich darauf Lust hatte, oder nicht, denn "hat Kalorien". Mit Genuss war da nix.

Stressesser bin ich definitiv. Außerdem habe ich so manche "kopfinterne" Faktoren, die meine FAs begünstigen. Teilweise selbst auferlegte Zwänge immer nur "gesund" zu essen, teilweise anerzogenes/erlerntes Verhalten. Wenn ich zu lange den Hunger "aushalte", dann habe ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch einen Fressanfall, dito was Durst angeht. Wenn ich zu wenig trinke habe ich irgendwann so Durst, dass ich 'nen Fressanfall bekomme, obwohl ich eigentlich Durst habe. Ich hab' mir die letzten paar Wochen ziemlich Gedanken darüber gemacht wieso ich wann und warum ich genau *das* esse, was ich esse(n will), was ich dabei fühle (vor dem Essen, nach dem Essen) usw. usf. - Seit ich so ein paar Verhaltensmuster ("Ich habe Hunger. Da ist noch Milchreis da. Iss den erst auf, bevor er schlecht wird", "Diese Rippe Schokolade noch! Und morgen dann zum Sport! - Mmmmm, soooo lecker! Jetzt noch diese Rippe... Das ist die letzte... -- Irgendwann war's 'ne Tafel Schokolade") an mir entdeckt habe, geht's deutlich besser. Wie gesagt: manches ist bei mir anerzogen, und manches ist so ein Verhaltensmuster, das ich mir selbst "beigebracht" habe - vermutlich u.a. weil ich halt peinlich genau darauf geachtet habe bloß nichts "falsches" zu essen, frei nach dem Motto: "Körner + Gemüse sind "gut", keine Schokolade ist "gut", Süßkram ist böse, Fett ist böse" etc. - Inzwischen kann auch ein randvoller Plätzchenteller neben mir stehen, ein bis oben gefüllter Kühlschrank mit Tiramisu, Panna Cotta, Käse, was-weiß-ich-nicht-alles, und ich rühre den nicht an, oder nehme mir einfach nur 2, 3 Plätzchen, einen Lebkuchen, Panna Cotta wirklich nur, wenn ich *wirklich* verlangen danach habe usw.. Ich muss keine ganzen Packungen mehr fressen und diese "Sünden" wie Panna Cotta haben ihren Reiz verloren, weil ich mir selbst wieder "erlaube" zu essen, was ich will. Es ist keine "Ausnahme" mehr, sondern "ganz normales Essen". Mein Hungergefühl und das "ich habe Hunger" vs. "ich habe Appettit" ist noch nicht wieder normal, aber es ist wieder normaler. Stelle ich auch beim Einkaufen fest, z.B. das Kuchenregal oder beim Bäcker: jetzt habe ich nicht mehr das Verlangen die halbe Kuchentheke vom Bäcker leer zu fressen, weil ich inzwischen solche Selbstgespräche habe wie "Mädel, du bist eine erwachsene Frau. Du kannst dir Kuchen, wenn du den haben willst kaufen und dann auch essen". Viel von dem Süßkram, der mir als Dämon die letzten Wochen und Monate im Hinterkopf herumspukte hat seinen Reiz verloren, oder ich habe rausgefunden, dass er mir überhaupt garnicht mehr schmeckt. Bienenstich z.B. - als Kind oder Jugendlicher hätte ich ein ganzes Blech davon fressen können, hätte man mich lassen, aber neulich war da so ein Stück Bienenstich da und ich erlaubte mir das zu essen. Ich aß den ersten Bissen: "Hmm, nicht so toll, wie du es in Erinnerung hattest." Ich aß den zweiten Bissen: "Nee, wirklich nicht toll, zu sahnig." und habe aufgehört zu essen. - Und genau *so* geht's mir jetzt immer wieder mit diversestem Zeug. Ich hab' wieder angefangen zu essen, worauf ich wirklich Lust habe - meistens ist das Müsli mit Trockenobst am Morgen, manchmal sogar weniger als das, was ich jeden Morgen abgewogen habe (und dann, wenn ich merke: "ich brauch' nicht mehr", geht der Rest zurück in die Tupperschüssel), 'n bisschen Obst oder Joghurt, mittags dann irgendwas wie z.B. auch mal wieder ein Schnitzel mit Pommes (seit 2 Jahren nicht mehr gegessen), und am Abend Brot oder Brötchen mit irgendeinem Belag, für zwischendurch einen Joghurt oder Obst, und 'n Tässchen Latte Macchiato, selbstgemacht. Und dann bin ich glücklich, bin definitiv nicht überfressen, und fühl' mich gut dabei. Inzwischen war ich auch schon 2 Mal bei einem All you can eat-Buffet und war auch nach dem Dessert nicht überfressen. DAS finde ich absolut positiv. Während des Essens hatte ich mich zwar immer wieder selbst abfragen müssen, ob ich jetzt satt bin, oder noch was will, und wenn ja, wie viel, und quasi immer wieder zu mir gesagt: "du kannst hier jederzeit zurückkommen und nochmal was essen, wenn du das willst", aber DAS ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu "fressen bis man das Gefühl hat aus dem Restaurant gerollt werden zu müssen". :-) Deswegen bin ich auch stolz auf mich.

Ich hatte ja auch herumexperimentiert mit "5 Mal essen" oder "3 Mal essen" - der Witz an der Sache ist, dass mein Hunger schlichtweg und ergreifend stark schwankt, und ich an manchen Tagen 3 mal "groß" esse, und an manchen Tagen 7 mal "klein". Was nicht schwankt, sondern entweder gleich bleibt, bzw. teilweise nach unten geht, ist die Anzeige der Waage. Außerdem habe ich jetzt weder "kein Hungergefühl", durch das "Hungergefühl vermeiden und alle paar Stündchen essen", noch fühle ich mich permanent hungrig,  sondern ich bekomme meine Hungergefühle wieder besser mit. Dito, was das Durstgefühl und die Unterscheidung von Durst, Hunger, Appettit angeht. Wie gesagt: normal ist's noch nicht, und bis es wirklich wieder normal ist, wird noch einige Zeit vergehen, aber ich denke auf einem recht guten Weg zu sein. Wenn ich dann mal Hunger, Durst, Appettit zuverlässig unterscheiden kann, kann ich mich an den nächsten Schritt wagen: wie ist mein Sättigungslevel auf einer Skala von 1 bis 10 und wie dringend brauche ich etwas ("was und in welcher Menge") zu essen, wenn ich an einem bestimmten Punkt angelangt bin :-)

Stress ist in der Tat wie schon angesprochen so eine Sache bei mir. Das letzte Vierteljahr galt: "Stress essen Seele auf". Vom Stress fällt in Zukunft ohnehin *ganz* viel weg, weil ich schlichtweg und ergreifend so manche stresserzeugende Baustellen meines Lebens final beseitigt habe, aber der Arbeitsstress wird natürlich immer wieder ein Thema sein (ok, Privatstress wird auch immer wieder ein Thema sein, aber nicht in dem Ausmaß wie bisher). Progressive Muskelentspannung ist etwas, was mir auch schon in den Sinn gekommen ist, zumal ich jetzt, im doch eigentlich unstressig seien-sollenden Weihnachtsurlaub auch immer wieder Stress empfand ("Lärmstress", "Sozialstress"), und deswegen manchmal nicht einpennen konnte. Das frustrierte mich, und ich machte mir Gedanken, was mir *jetzt* in dem Augenblick, in dem ich dieses-und-jenes-Gefühl empfand, helfen könnte/was ich gerne machen täte. Daraus entstand so eine "Toolbox", was ich bei welcher Stimmung machen kann. Sport steht übrigens auch auf dem Programm :-)

Beim Arzt werde ich das mal ansprechen, wie gesagt, jetzt ist's ja wieder besser, und ich ess' nur alle paar Std. etwas, von daher vermute ich halt schlichtweg und ergreifend die psychische Komponente als Auslöser von meinem "Fressverhalten". In der Apotheke ließ ich mich schonmal piecksen, um Blutzucker messen zu lassen - der war im grünen Bereich. Wie gesagt: es lag so einiges im Argen die letzte Zeit. "Schaun ma mal".

Liebe Grüße,
lechuza
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